letzte Kommentare: / ... was ja dafür... damals / Schule wirkt nach pelicola delle rane / glaube nicht, dass... c17h19no3


04
Februar
Entsetzliche Lücke
Man konnte mich bisher nicht dazu bewegen, die autobiografischen Bücher von Joachim Meyerhoff zu lieben. Sie schienen mir beim Reinlesen immer bestenfalls "recht nett", aber der literarische und inhaltlich Wert war eher unklar, auch wenn mir Herr Meyerhoff ein grundsympathischer Mensch zu sein scheint. Ideal gelungen dagegen die Verfilmung! Schrullige Großeltern, die aber immer knapp an der Ulkgrenze vorbeikommen: Der Film ist viel weniger deutsche Familienkomödie als der Trailer vermuten lässt. Er ist gefühlvoll ohne zu viel Klischee und Kitsch, furios gespielt und nicht von Plottwists belastet. Vor allem: Er reicht mir als Buchersatz vollkommen aus - nach dem Konsum des Kinofilms weiß ich, dass ich das Buch wirklich nicht zu lesen brauche.

 
 
29
Januar
Büchervergleich
Ein unmöglicher Büchervergleich: "Bartleby der Schreiber" von Herman Melville vs. "Wellness" von Nathan Hill. Bartleby ist alt, sehr kurz und sehr geheimnisvoll und transportiert dadurch sehr stark eine Stimmung. Wellness ist neu, sehr lang und sehr explizit und genau und lässt mich mit den Charakteren mitfühlen. Bartleby ist der unschlagbare Klassiker. Wellness ist der perfekte Roman unserer Zeit. Den einzigen Vorwurf, den man ihm machen kann, ist ein Übermaß an Perfektion. An alles ist gedacht, alles ist ideal ausgewogen: Humor, Psychologie, Handlungsverlauf, Verknüpfungen, Zeitbezüge, Spannung. Alles drin, nichts wirkt gezwungen. Traurigerweise, aber verständlicherweise haben solche Bücher nie das Zeug zum Klassiker. Man muss wohl doch das Geheimnis feiern.

 
 
28
Januar
Dramarama
Tiefe, Trauer, Trauma - all das gilt als bedeutungsschwer und wichtig und schwierig. Witz, Charme, Humor als locker und leicht. Es geht so weit, dass in der Kulturindustrie die Lustigen nicht so ernst genommen werden, wie die Ernsten. Dabei weiß eigentlich jeder, dass es umgekehrt ist: Drama ist einfach, Komödie ist schwer.

 
 
21
Januar
Drama!
MacBeth von Joel Coen. Hervorragend photographiert und vertont, ein Genuss in schwarzweiß, insbesondere die Architektur! Und die Hexe, die alle drei Hexen darstellt: Grandios, verquer, eindringlich.
Doch das war es auch schon, was mir gefiel. Die Kostüme irgendwie schülertheaterhaft. Die Amerikaner mühen sich eher ab mit ihrem Shakespearetext, als dass sie ihn klar und pointiert intonieren können. Das Ehepaar im Zentrum redet kunstvoll aufeinander ein und nie miteinander. Die Psychologie der Figuren wird kaum gedeutet und durch den kühlen Stil nicht getragen.
MacBeth sei das leichteste Drama, sagt man. Daher wird es im Englisch LK gerne genutzt. Mir scheint eher: Es ist zwar das kürzeste, aber aus das stumpfste. Die Handlung geht vorwärts, einmal gemordet muss MacBeth weitermachen. Das kann nicht gut gehen, die Prophezeihung ist der übliche Orakel-Quatsch und am Ende ist er tot. Es fehlt die Genialität, die Geradlinigkeit lässt keinen Raum dafür: Othello, Hamlet - hier ist Psychologie und Bedeutung über das Stück hinaus. Bei MacBeth metzeln sich ein paar Schotten mit seltsamen Namen ab.
Gut, bei Dramen wird am Ende gestorben und bei Komödien geheiratet - daher ist doch das "wie" und das Drumherum interessant! MacBeth bietet mir hier zu wenig.

 
 
20
Januar
Schreiben, machen
Schreiben kommt vom Schreiben, Ehe hält, wenn man einfach zusammenbleibt. So wahr so banal, aber um wirklich gut zu sein reicht einfach machen eben doch nicht, wie man an diesem Eintrag sieht. Ein bisschen Genialität muss schon da sein und trotz aller Youtuber und Lehrer glaube ich immer noch nicht, dass die trainierbar ist.

 
 
18
Januar
Digitalkunst
Immersive Digitalkunst, ich habe genug davon. Entweder ist sie nur wabernd und nicht interessanter als die Audiovisualisierung Milkdrop des mp3 Abspielprogramms WinAmp aus den neunziger Jahren. Das war zwar SEHR interessant, aber doch keine Kunst - und vorallem damals zwar toll, aber heute müsste doch mehr und anderes gehen!

Oder, wenn Digitalkunst versucht Inhalte zu verhandeln, geht es meistens darum, dass es nicht schön sei, die Welt in Daten und Zahlen zu verwandeln. Oder dass überall Daten fließen. Das weiß ich aber schon.

Ich will Neues, ich will mehr, ich will Avantgarde - und die finde ich bei Digitalkunst natürlich nicht in Ausstellungen. Ausstellungen können nicht mehr Avantgarde sein, diese Zeiten sind vorbei.

Der einzig gute Digitalkünstler, den ich kenne, ist Dries Depoorter. Der hat Ideen, Witz und Komptenz. Und ist auch in Ausstellungen, hmm, These widerlegt. Ich war nur in den falschen.
Hier:
https://driesdepoorter.be

 
 
09
Januar
Hamlet, nett
Lars Eidinger in Hamlet, Inszenierung von 2008, wollte ich mal sehen.
Genau so ist sie auch: Kann man sich mal ansehen. Ist gut gemacht. Ich hatte mir viel mehr tour de force erwartet, dass Eidinger sich die Gedärme aus dem Leib spielt. Stattdessen ist alles rasant, amüsant, leicht modernisiert, mit popkulturellen Bezügen bis in die Nullerjahre. Auch durchaus stimmig, Hamlet wirkt authentisch, dabei stören auch die Albernheiten nicht, sie machen ihn eher menschlicher und glaubwürdiger.
Also: Dieser Hamlet ist ein Hamnett.
Jetzt muss ich doch mal diesen Hamnet Film sehen.

 
 
06
Januar
Humorkritik - Fil vs. Heinz
Im Gegensatz zu Heinz bekommt er eine Eins. Hier ist nicht überschäumende Inhaltsproduktion, sondern überschäumende kreative Energie und dann sorgsame Auswahl der besten Ergebnisse, gekleidet in einen wohlabgewogenen Metahumor der auch schlechte Witze zünden lässt und holpernde Reime in geniale verwandelt. Ähnlich wie Strunk, nur ist Fil ganz klar Herr der Lage - aber dafür im Gegensatz zu Strunk erfolglos im Mainstream.

 
 
05
Januar
Strunk
Bei Heinz Strunk gewesen. Der Mann ist mal wirklich, was so oft fälschlich behauptet wird: Ein Phänomen. Am laufenden Band produziert er Bücher, Texte, Kinderbücher, Theaterstücke, es sprudelt aus ihm heraus, klassischer Fall von Logorrhoe.
Da ist manch gutes Stück dabei, das Feuilleton sieht ihn auch gerne als den den Thomas Mann unserer Zeit. Bei sehr vielen Texten fragt man sich allerdings auch: WARUM? Und Heinz fragt sich das vermutlich selbst, daher muss er oft irr kichern, in den Ansagen seiner lallenden Lesung. Offensichtlich ein Verückter, der allerdings vollständig mainstreamkompatibel scheint. Das ist das erstaunlichste Phänomen am Phänomen Heinz Strunk.

 
 
18
Dezember
K der Kinder
Kippeln, Kokeln, Kranksein - die drei schlechten "K" der Kinder.
Gut dagegen: Konzerte. Fast egal wie hoch das Niveau, Musik der Kinder berührt und erfreut. Kinderkunst, sie lebe hoch - zumindest nach den Kitazeiten.

 
 
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