| letzte Kommentare: / ... was ja dafür... damals / Schule wirkt nach pelicola delle rane / glaube nicht, dass... c17h19no3 | |
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09
Januar
Hamlet, nett
Lars Eidinger in Hamlet, Inszenierung von 2008, wollte ich mal sehen.
Genau so ist sie auch: Kann man sich mal ansehen. Ist gut gemacht. Ich hatte mir viel mehr tour de force erwartet, dass Eidinger sich die Gedärme aus dem Leib spielt. Stattdessen ist alles rasant, amüsant, leicht modernisiert, mit popkulturellen Bezügen bis in die Nullerjahre. Auch durchaus stimmig, Hamlet wirkt authentisch, dabei stören auch die Albernheiten nicht, sie machen ihn eher menschlicher und glaubwürdiger. Also: Dieser Hamlet ist ein Hamnett. Jetzt muss ich doch mal diesen Hamnet Film sehen.
06
Januar
Humorkritik - Fil vs. Heinz
Im Gegensatz zu Heinz bekommt er eine Eins. Hier ist nicht überschäumende Inhaltsproduktion, sondern überschäumende kreative Energie und dann sorgsame Auswahl der besten Ergebnisse, gekleidet in einen wohlabgewogenen Metahumor der auch schlechte Witze zünden lässt und holpernde Reime in geniale verwandelt. Ähnlich wie Strunk, nur ist Fil ganz klar Herr der Lage - aber dafür im Gegensatz zu Strunk erfolglos im Mainstream.
05
Januar
Strunk
Bei Heinz Strunk gewesen. Der Mann ist mal wirklich, was so oft fälschlich behauptet wird: Ein Phänomen. Am laufenden Band produziert er Bücher, Texte, Kinderbücher, Theaterstücke, es sprudelt aus ihm heraus, klassischer Fall von Logorrhoe.
Da ist manch gutes Stück dabei, das Feuilleton sieht ihn auch gerne als den den Thomas Mann unserer Zeit. Bei sehr vielen Texten fragt man sich allerdings auch: WARUM? Und Heinz fragt sich das vermutlich selbst, daher muss er oft irr kichern, in den Ansagen seiner lallenden Lesung. Offensichtlich ein Verückter, der allerdings vollständig mainstreamkompatibel scheint. Das ist das erstaunlichste Phänomen am Phänomen Heinz Strunk.
18
Dezember
K der Kinder
Kippeln, Kokeln, Kranksein - die drei schlechten "K" der Kinder.
Gut dagegen: Konzerte. Fast egal wie hoch das Niveau, Musik der Kinder berührt und erfreut. Kinderkunst, sie lebe hoch - zumindest nach den Kitazeiten.
09
Dezember
Freaky Friday
Lieber etwas niedriger zielen und alles erreichen, als hoch zielen und versemmeln. So wie Tschick. Das einfache gut machen ist schwer genug.
24
November
Unklar, wie nur Kunst es ist
Surealismus ist grundsätzlich interessant: Ein Bruch mit der Tradition, Symbole, Bedeutung, Psychologie - what's not to like? Dalí mag und kennt jede/r, also gerne auch die anderen mal anschauen. Mein persönliches Problem leider: Zu viel Verschlüsselung und Unklarheit. Es geht los bei den Titeln der Bildern. Max Ernst "Zwei nackte Mädchen" bei einem Bild, auf dem eindeutig nicht zwei nackte Mädchen zu sehen sind. Für einen Scherz zu plump, für ein Symbol zu dünn - es bleibt ein Gefühl, dass hier, dass hier viel Bedeutung behauptet wird. Kann natürlich eine Reaktion auf die eingerostete Kunstrezeption, auf die inflationär genutzte religiöse Symbolik in der Kunst gewesen sein. Aber Kritik am status quo durch Übersteigerung des kritisierten Zustands, das kann ja nur ein Anfang sein, kein Programm. Als Anfang und kurze, knackige Episode taugt mir Dada besser, danach müsste doch mehr Konstruktion als Kritik sein. Ein Ausweg ist in der Kunst natürlich immer die rohe Sinnlichkeit, aber die wird leicht durch überladene Symbolik verunmöglicht. So stehe ich oft eher verloren vor den Bilder und denke: "Eeeh, was soll das?"
21
November
Meisters
Ich bin immer noch bei meinen drei schlechten Büchern, aber bald sind zwei geschafft. Das Problem ist aber viel grunsätzlicher: Eigentlich will ich nur potenzielle Meisterwerke konsumieren, führe auch Listen, habe mehr als genug Optionen - nur wenn ich dann wirklich wähle, ob Film, Musik oder Buch, dann ignoriere ich die Listen und Vorsätze und lasse die Laune entscheiden. Da ich Freude am Durchziehen, Erledigen, Abhaken habe, muss ich mich dann manchmal durch schlechte Bücher quälen. Bei Filme noch entschuldbar, das sind 2 Stunden meines Lebens. Bei Büchern können es schon Tage sein. Kein kluges Verhalten und gerade nur so damit entschuldbar, dass ich Mensch sein will, frei sein, nicht Büttel meiner Pläne.
18
November
Wild.
Ich lese dies:
https://www.experimental-history.com/p/the-decline-of-deviance Über kulturelle Stagnation denke ich seit einer Weile nach. Zunächst ablehnend. Die Klage schien alt, über die aktuellen Zustände wurde immer geschimpft. Nach und nach bin ich aber überzeugter, das etwas verlorengeht, etwas abstumpft. Der oben verlinkte Artikel zeigt auch sehr gut, was daran neu ist. Früher würde die Jugend und das Neue als zu wild, zu gefährlich, ja verrückt bezeichnet. Heute ist es zu langweilig, zu formelhaft, zu brav. Social Media und AI machen alles zu Brei. Mein Hoffnungsschimmer: Wir, die wir so etwas bemerken und darüber schreiben, sind alt. Wir bemerken die zarten Pflänzchen der jungen, wilden Gegentrends noch nicht. Und, wie im Artikel erwähnt: Auch die alten Genres blühen noch. Es gibt jede Menge guter Filme, gute Literatur. Es gibt nur noch viel mehr Schrott als früher, aber das Gute stirbt dadurch nicht, die schlauen Menschen verschwinden nicht. Es mag wie Zwangsoptimismus klingen, aber es ist wahr. Schauen Sie nur mal die Durchschnittsfilme aus den 70ern und sehen Sie, wie flach die sind.
12
November
3 schlechte Bücher
Ich lese konsumiere gerade drei Bücher nebeneinander, eher aus Zufall und weil mir keines so recht gefällt.
Das erste ist eine romatische Familienschmonzette, die mir von einem sehr netten Menschen geschenkt wurde. "Hallo, du Schöne" von Ann Napolitano. Liest sich leicht, kommt aber kaum über Vorabendserien Niveau hinweg, will aber gelegentlich etwas mehr sein. Vielleicht bin ich zu anspruchsvoll? Das zweite ist "Blue Skies" von T.C. Boyle. Der Autor ist ja irgendwie ein Markenname, ich hatte aber noch nie etwas von ihm gelesen. Das Buch ist Leistungskursstoff meiner Tochter, ich höre es auf dem Fahrrad. Deutlich anspruchsvollere Sprache, aber weder Szenario noch die Handlung kommen in den Tritt und ich habe schon zwei Drittel durch. Alles ist Katastrophe, aber das Buch mäandert durch milde und eher unoriginell karikierte Szenen und hat überall zu viel Offensichtliches? Bin ich zu anspruchsvoll? Das dritte ist "Melancholie" von Jon Fosse, Literaturnobelpreisträger. Ich habe es pausiert, schiebe die leichte Ann Napolitano dazwischen. Es ist auch fast unlesbar, diese depressiven Schleifen über hunderte Seiten, aber immerhin konsequente Kunst. Bin ich zu unkonzentriert für sowas?
27
Oktober
Pollesch, final
Letztes Stück von René Pollesch, noch aus Resten zusammengeklaubt: Der Schnittchenkauf, Volksbühne. Ich hatte über die letzten Jahrzehnte meinen Spaß mit Pollesch und vorallem Fabian Hinrichs und ihren Theoriezwirbeln. Beim Schnittchenkauf komme ich aber nicht mehr mit, das ist nur noch Metatheatertheorie, dafür bin ich wohl nicht Theatertheoretiker genug. Oder: Ich mag die Unklarheit der Kunst nicht. Wenn man Thesen hat, möchte ich sie hören und ihre Begründung. Dann sollte ich aber nicht ins Theater, sondern die entsprechenden Aufsätze lesen.
Die Kritik liebt das Stück, aber wie könnte sie anders? https://nachtkritik.de/nachtkritiken/deutschland/berlin-brandenburg/berlin/volksbuehne-am-rosa-luxemburg-platz-berlin/der-schnittchenkauf-volksbuehne-berlin
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