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02
Oktober
Spätsommer
Es ist vielleicht: Ein Spaziergang. Wir gehen durchs Viertel und genießen den letzten Spätsommerabend. Viele Menschen sitzen draußen, vor den Cafés und Restaurants, noch ist es war. Doch ihr Murmeln und klappern ist viel ruhiger, gedämpfter als im Frühling, wenn man zum ersten Mal angenehm draußen sitzen kann. Menschen, die sitzen und fröhlich reden - so sieht das Paradies aus
30
September
Computer Horror
Ich kenne mich ein bisschen aus, mit Computer. Früher habe ich ISA Karten ein gebaut, Interrupts gesetzt und die config.sys Datei optimiert. Eine Weile lang dachte, ich alles würde immer einfacher, die meisten Firmen und Menschen hatten kapiert, wie wichtig eine gute Nutzererfahrung ist. Die Schule meines Sohnes und ein HP Drucker haben mich eines besseren belehrt. Nun gut, an der Schule ist vermutlich einfach ein Bastler am Werk, der ein Shop-System dazu umgebogen hat, dass man damit AGs für die Schüler buchen kann, inklusive doppelter digitaler Signatur und Gutscheinen auf QR Codes, stundenlang verzögerten Bestätigungsmails und wilder Aufregung unter allen Eltern. Warum die Kinder ihre AG Wünsche nicht einfach auf einen Zettel schreiben konnten, wurde nie erklärt.
Dann HP: Es gab sage und schreibe 4 HP Apps auf dem Windows PC und zig widersprüchliche Webseiten, unterschiedliche Bezeichnungen für den Drucker, einen sinnlosen AI Assistent, überall wurden immer grüne Häkchen angezeigt, aber gedruckt wurde nie. Einzig die komplette Entfernung von allen HP Programmen brachte die Lösung. Die alten Zeiten sind doch noch nicht vorbei. (Ok, vielleicht ist hier auch Windows das Problem, vom iPhone via AirPrint wurde immer problemlos gedruckt.)
24
September
Kunstwollen
Was soll Kunst? Man könnte sagen: Emotionen erzeugen und dabei irgendwie undurchschaubar komplex sein. Das kann aber nicht sein, damit wäre es für mich "Kunst" Frauen zu verführen. So bleibt es wie immer Kunst ist unklar, wie nur Kunst es ist.
23
September
Herbstfrieden
Immer noch: Die Friedlichkeit des Landes am Morgen, vom langsam gleitenden ICE durch das frühherbstliche Grau betrachtet. Schrebergärten an Bahnstrecken, gibt es etwas friedlvolleres? Die Wut sieht man nur, wenn es wirklich, wirklich zu spät ist. Vermutlich fühlen sich auch die USA im Nebel nicht so gespalten an, wie es sich politisch darstellt. Und vermutlich mögen sich die meisten Menschen auch, quer über alle Lager, solange man die Politik draußen lässt. Liberalismus könnte ein Friedenstraum sein, stattdessen wird er gehasst.
20
September
Pflichten
Die Alten verschwinden langsam, aber sicher. Die den Krieg noch erlebt haben, noch echte Armut kannten deren Schrullen ihre eigenen sind, keine Zitate. Den Alten wird Tiefe und Seele zugetraut, sie sind rauer, echter, vermutlich traumatisiert, aber ohne es wissen zu wollen. Wiedermal: Fortschritt ist Glätte, Nüchternheit. In vielen Hinsichten besser. Aber mit dem Verlust der Alten geht wirklich etwas verloren, etwas, das nicht in diese Kategorien passt. Nicht nur der Abglanz von, sondern tatsächlich Seele, mit all ihren Lügen und Brüchen, aber eben auch ihrem heißen Sehnen. So wollen wir zumindest glauben, um wenigstens noch etwas romantisieren zu können oder uns Melancholie zu erlauben, die ja immer falsch und nahe am Kitsch ist. Aber die Trauer über den Verlust von echten Menschen als kitschig zu bezeichnen wäre geschmacklos - hier darf man also ungestöhrt rührseelig sein.
[aber eben auch]
18
September
Farbnamen
Den Nachnamen "Braun" gibt es häufig, er klingt friedlich und normal. "Weiß" ist schon etwas edler. "Grün" intellektueller. "Blau" schon etwas absurd. "Gelb" habe ich als Nachnamen noch nie gehört.
17
September
Herbste
Jedes Jahr das Gleiche, trotz Klimawandel: Ich sehne mich nach noch einem letzten Sommertag, hoffe auf noch ein paar südlichere Tage und freue mich, wenn ich noch einmal Schwimmen gehen kann. Ansonsten: Herbstdepression oder zumächst aufkommende Melancholie, weil das Jahr seinen Höhepunkt überschritten hat und es dem Ende entgegen geht. Diese abgedroschenen Metaphern scheinen so zwingend, dass ich fast nicht glauben kann, wie viele Menschen sich auf Herbst und das graue Wetter freuen. Die Qual der wenigen 40 Grad warmen Tage ist für mich schnell vergessen, aber das Gefühl der kommenden bleiernen Zeit, die auf das Ende zu geht, ist sehr klar.
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