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28
Oktober
Banger
Wir mögen das Geschäft "Cyroline" in Lübeck. Coole Mode, fair produziert und bepreist, es gibt Computerspiele, Popcorn, einen DJ, Kaffee und Sekt. So einfach, so gut. Daher singen wir immer "Cyroline!" auf die Melodie von "Hold the Line" (Toto), wenn wir zu dem Laden gehen. Im Überschwang singe ich auf diese Weise "Cyroline!" in das Gesicht der etwas zu freundlichen Verkäuferin und sie meint den Song zu kennen, er sei "Voll der Banger!".
25
Oktober
Lesen
Auf dem Handy lesen gilt als stressig, dopaminausschüttend, unentspannt. Die gute, alte Papierzeitung verbinden wir mit Kaminfeuer, Ruhe und Gemütlichkeit. Mir geht es umgekehrt. In der Zeitung steht immer so viel. Man muss sie durcharbeiten. Jeden Tag kommt eine neue. Auf dem Handy sind es nur einzelne Artikel, die ich schaffen muss. Und ich kann viel leichter überall lesen - einen Kamin habe ich sowieso nicht.
23
Oktober
Klick
Ich dachte ja lange schon, alle Menschen seien doof, niemand verstünde mich. Besonders die Frauen. Dann traf ich meine Frau und sah, dass es Ausnahmen gab. Jetzt weiß ich: Ich komme mit den meisten Menschen gut zurecht, aber es klickt nur sehr selten. Wenn es passiert, muss das gefeiert und genutzt werden. Man könnte jetzt denken, ich solle nicht mehr, sondern besser ausgewählte Menschen treffen. Aber das klappt so nicht. Gerade die ausgewählten Menschen sind oft super langweilig, alle sagen nur das gleiche. Mehr Zufall, mehr Menschen, dann klickt es auch öfter.
22
Oktober
Ewiges Dilemma
Gesellschaftlich glaubt jeder, dass man Veränderung, Wagnis, Risiko braucht, damit alle auch in Zukunft gut leben können. Privat wollen sie aber vor allem Ruhe, Sicherheit, Stabilität - zumindest diejenigen, die mindestens einmal gute Zeiten erlebt zu haben glauben.
21
Oktober
Lang, nicht doc
Es dauerte unendlich lange, bis die schlechten Spagehtti zu uns kamen. Die arme Köchin musste die Spaghetti alle einzeln von ihrem Spaghetti-Hund abkämmen.
20
Oktober
Rest
Bei einem zwölfjährigen Kind ist meist noch etwas Restsüßigkeit vorhanden, bei einem Mann der rund 50 Jahre alt ist gar nicht mehr. Da geht es um Hardfacts, in allen Beziehungen.
[Same, same]
19
Oktober
Wahl
Ich wollte ein Buch von Caroline Wahl lesen, weil sie so erfolgreich, angeblich die Stimme der Gen Z und auch literarisch so furchtbar schlecht sein sollte. Stimme einer Generation: Das ist natürlich immer Quatsch, niemand ist das, Generationen sind nie einheitlich. Aber einen Ton treffen, der gegenwärtig scheint, das ist möglich. Mir scheint 1999 Meter über dem Meer eine etwas laue Neuauflage der Popliteratur der späten 90er Jahre. Viele Setzungen, Urteile, mit Hedonismus gegen einen gefühlten linken Mainstream. Dabei nicht amüsant schlecht, sondern schwankend, insgesamt mittelmäßig. Keine Empfehlung, aber "liest sich gut weg", was man ja zu allen dünnen Büchern mit kurzen Sätzen sagen kann. Ich bin dann aber auch immer froh, wenn sie vorbei sind.
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