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09
Oktober
Optimierungshass
Durch die Gazetten und Blogs schallt in meiner Filterblase der Hass auf die Selbstoptimierung, die uns unterjochen würde. Frei machen solle man sich, von diesen Zwängen! Dabei ist Selbstoptimierung doch per se nichts Schlechtes. Sicher, manche übertreiben es, verkrampfen, gehen an den Ansprüchen kaputt. Aber Ideale wird es immer geben, die gehen auch nicht mit dem Argument weg, dass sie anstrengend zu erreichen seien.

 
 
04
Oktober
Studentenleben
Das Studentenleben. Manchen, ja, ehrlicherweise mir, ist es ein Ideal der Freiheit, Bildung und relativen Bedürfnislosigkeit. Diese, also ehrlicherweise ich, haben sich erstaunlicherweise viel weniger intensiv in die Auskostung dieses Lebensstils geworfen als die anderen, die es als eine möglichst zügig zu überbrückende Phase auf dem Weg zu mehr Wohlstand angesehen haben.

 
 
29
September
Letzte Woche
Letzte Woche noch sprang ich vom 10 Meter Turm. Vor mir war ein junges Mädchen dran, das sich ungelogen und ohne Übertreibung 5 Minuten Zeit genommen hat. Immer wieder Angst hatte. Die Menge tobte, feuerte an, gab zwischendurch auf, fiebert mit. Endlich sprang sie, es war die größte Freude für alle und ihr Triumph.

 
 
18
September
Das gebrochene Herz
Was man will, sind Feste und Freunde mit Herz. Mit dem kühlen Herz der Ironie.

 
 
10
September
The Big K
Wie tief der Kapitalismus oder das Effizienzdenken in mir verankert ist, bemerke ich insbesondere, wenn ich die Adeligen, in den fin de siècle Büchern, die ich gerade konsumiere, innerlich dauernd für ihre Ineffizienz kritisiere, anstatt sie zu für die Freiheit zu beneiden, bei leichten Seelenblähungen "ein paar Tage auf dem Land Ruhe zu suchen."

 
 
22
August
10
Weisheit und Ruhe steht schon lange nicht mehr hoch im Kurs und tut es immer weniger. Das Ideal unserer Gesellschaft ist der pubertierende Teenie, der ist authentisch, der lässt alles raus, impulsiv, viril, vielleicht sogar schon genialisch, so will man sein. Ruhe und Besonnenheit sind LAME! Was für ein Opa-Post!

 
 
17
August
Diktat
Wie ich von den lauen und schönen Sommernächten nur deshalb nicht genug habe, weil sie vermutlich bald vorbei sind. Ihren direkten Zauber haben sie verloren und wirklich malerisch waren sie in Berlin noch nie.

 
 
14
August
Leere Liebe
Die schreiende Freude, die heftigen Umarmungen, das strahlende Lachen. Es kann inhaltsleer sein, man hat sich nicht viel zu sagen, aber die Liebe ist dennoch wahr.

 
 
05
Juli
Flüchte
Die irgendwann mal wahnhaft plausible, aber total irrige Annahme man könne der bösen Erwachsenenwelt dadurch entkommen, dass man Kinder kriege. Natürlich ist das Gegenteil der Fall. Und natürlich ist das gut so.

 
 
25
Juni
Intense
Vielleicht ist Kindsein einfach Leben mit höherer Intensität. Mehr Schmerz, mehr Freude. Und so lernt man mehr. Deshalb gilt Intensität auch als anzustrebendes Ideal. Aber abzustumpfen scheint mir fast ein rationales Postulat zu sein. Alles andere hieße, aus der Erfahrung nicht dazulernen. Wer sich 100 Mal verliebt, kann doch nicht beim 100. Mal das gleiche wie beim ersten Mal empfinden. Vielleicht lernt man auch nur weniger, wenn man älter wird, weil es einfach weniger zu lernen gibt? Weil man die grundlegenden Dinge für sich schon irgendwie geordnet hat. In Extremsituationen sei der Mensch dann doch wieder flexibel, las ich irgendwann irgendwo - das spräche dafür, dass sinkende Lernfähigkeit nicht am Alter, sondern an sinkender Notwendigkeit liegt. Lebensklug ist es vermutlich, mit dem Älterwerden nicht die Extreme zu steigern, um die Intensität konstant zu halten, sondern sich mit den weniger intensiven Genüssen auseinander zu setzen. Das passiert ja auch. Man wird Weinkenner.

 
 
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Last update: 16. Okt, 00:06
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