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22
April
Innere Freude
Wenn wir angeblich unser inneres Kind nie verlieren, also niemand jemals wirklich erwachsen wird, so erwachsen wie die Erwachsenen aus Kinderperspektive schienen, warum werden wir dann langweilig? Spielen weniger, machen weniger Unsinn? Ist das innere Kind nur für die Ängste zuständig, aber nicht für den kindischen Spaß? Erwachsene Hobbies müssen irgendwann mit Ernsthaftigkeit betrieben werden, kindliche Freude über Jahrzehnte wirkt befremdlich. Vermutlich ist das alles gut so und hat seinen Sinn, aber es ist traurig und vielleicht der Grund, warum Menschen nicht gerne altern, zumindest die ehemals lustigen nicht.
21
April
Orga
Beobachtung: Tools, Automatisierungen, strikte Prozesse zur Arbeitsorganisation werden von genau den Leuten gepriesen und probehalber eingesetzt, die unorganisiert sind und öfter mal nicht antworten oder Dinge unter den Tisch fallen lassen.
Mit ihren neuen Systemen geht alles automatisch, sagen sie sich - und mir. Und trotzdem werden sie nicht zuverlässiger oder organisierter. Weil sie Organisation und Struktur nicht mögen, sich davon eher eingeschränkt als unterstützt fühlen? Genau deshalb ignorieren sie dann auch irgendwann ihre Systeme und Automatisierungen. Und vollständige Automatisierung gibt es noch nicht, erscheinen und endgültig entscheiden muss immer noch der echte Mensch.
17
April
Kränkungen
Wer sich sehr über sein Wissen oder seine Fähigkeit, intellektuelle Probleme zu lösen definiert hat, dürfte sich in seinem Ego spätestens jetzt angekratzt fühlen. Menschen, Körper, Seele, echte Empathie sind die Zauberwörter - das wusste ich schon vor 10 Jahren und lag damit aber 10 Jahre lang falsch. Gut, dass ich meinem Rat nicht gefolgt bin, als Masseur, Yogalehrer oder Therapeut würde es mir heute bestimmt nicht so gut gehen wie als IT Produkt-Manager.
16
April
Schönheit ist kein Lebenszweck
Toskana. Immer schön, immer schöner, fast extremer diese Lieblichkeit der Landschaft, der Dörfer, herausgeputzt bis zum Gehtnichtmehr. Der Sinn dieser Region scheint Genuss und Schönheit zu sein, eine Wellness Oase für die Sinne. Das kann man kaum besser machen, aber es zeigt auch sehr klar die Grenzen dieses Ansatzes auf. Irgendwann wollen Menschen wieder Reibung, Arbeit, Sinn. Denn Schönheit und Genuss sind kein Lebenszweck und machen nicht auf Dauer glücklich - daher führt die Donau doch vor der Toskana und muss jedes Jahr befahren werden.
15
April
Bauer oder Beobachter
Alle sollen jetzt wieder "Builder" sein, ja, ich verstehe das Argument, machen lernen, bauen - alles richtig. Nur war ich seit der Geburt eher der Beobachter. Mein großer Bruder hat Lego gebaut, Märklinbahnen, programmiert. Ich saß daneben und hab ihn vor Irrungen gewarnt. Auch dafür gibt es noch eine Rolle, vielleicht sogar umso mehr, wenn jetzt alle wieder zu wilden Buildern werden.
14
April
Jung geblieben
Der Beweis, dass man sich - oder wenigstens ich mich - innerlich auf ewig wie ein Teenager fühle: Normale Tätigkeiten wie Einkaufen oder Autofahren fühlen sich immer noch unglaublich erwachsen an.
13
April
Haus in der Toskana
Ein Haus in der Toskana mieten, mit 41 Menschen, sehr vielen Kindern. Es könnte nach Albtraum klingen. Hätte auch einer werden können. Wurde es aber nicht. Entweder habe ich die besten Freunde der Welt oder es gibt eine Urlaubsmagie, die es möglich macht, dass sich so viele Menschen ohne Anstrengung koordinieren, einkaufen, kochen und das alles kaum planen müssen uns sich niemand ausgenutzt fühlt. Jeder packt ein bisschen an und schon kann man gemeinsam die süße Toskana genießen - jeden Morgen Sonne beim Frühstück und ein langer Tisch an dem unsere Urlaubs-Dorfgemeinschaft kommt und geht: Das hilft vermutlich auch.
01
April
Midwit
Talentierte Schreiber lamentieren über AI (Erik Hoel, Adam Mastroianni), sie habe keine Seele, könne nicht interessant schreiben. Ich liebe diese Kritik, sie macht Hoffnung für das Menschliche und sie ist rhetorisch brilliant geschrieben. Sie ist Kritik auf allerhöchstem Niveau. Doch genau dabei übersieht sie, dass AI vermutlich interessanter schreiben kann und mehr (Welt)seele in Texte legen kann als 99% aller menschlichen Schreiber. Fast alle sind wir midwits, nur ganz wenige supertalentierte können sich über AI erheben. Optimistisch gewendet: Das Niveau von Texten aus menschlicher Produktion könnte steigen, Mittelmäßigkeiten braucht niemand mehr. Doch das macht den meisten Angst. Ähnlich wie Karriere- oder Lebensratgeber - immer wird dort gezeigt, wie man das höchste, beste oder auch nur entspannteste Leben führt. So ein mittleres Chaos ohne Ambition kommt da nicht vor, das will auch niemand lesen. Die meisten würde aber gerne so sein und bekommen Angst, dass die Umstände sie nicht lassen werden.
31
März
Freundesfreuden
Mit einer Menge alter Freunde in den Süden reisen, was könnte es Besseres geben? Vielleicht: Mit ausgewählten besten Freunden reisen? Kompromiss: Aus der Menge von 40 Menschen die jeweils besten raussuchen und die anderen als Begleitmusik genießen.
30
März
Technikfreuden
Noch ein leiser Abglanz der alten Freuden wenn Handy oder Router und Internetvertrag neu sind. Hauptsächlich bin ich aber damit beschäftigt, dass alles wieder genau so wie vorher ist.
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