letzte Kommentare: / Immerhin merkt das... froschfilm / Schade... c. fabry / Ah, das ergibt Sinn!... froschfilm


03
Juli
Ali
Und die Zugfahrt an den Stränden entlang bekommt den Ali Mitgutsch Gedächtnispreis: Man sieht im Sekundentakt Menschengruppen, die packen, lachen, schwimmen, ballspielen, sich umziehen, fischen und immer wieder rennt ein nackter Jungspopo durchs Bild.

 
 
08
Februar
Ever Evergreen
John Maynard von Theodor Fontane. Ist das wirklich die beste Ballade, die wir zu bieten haben? Auf jeden Fall augenscheinlich die kanonischste. In jedem Bundesland scheint sie Pflichtprogramm. Nicht die beste Ballada, wohl aber die am besten vermittelbare.

 
 
12
November
Bernie forever
Eine Freundin, die über zwanzig Jahr um Thomas Bernhardt herumgeschlichen ist, schreibt mir folgendes, was ich zur Ergötzung meiner immer kleineren, aber vermutlich auch immer feineren Leserschaft gerne weitergebe:

Ich habe jetzt übrigens endlich etwas von Thomas Bernhardt gelesen.

Weil ich einen Mann traf, der Thonas Bernhardt hieß
Ohne, dass die Eltern jemals etwas von Thomas Bernhardt gehört hätten.

Dieser Thomas Bernhardt hat mir dann ein Buch von Thomas Bernhardt gegeben.

Es gibt in meinem Leben manchmal wirklich so magische Momente, man möchte es kaum glauben.

 
 
10
Oktober
Royal
Man sucht ja immer Hoffnung, Hoffnung das manches auch besser werden kann, nicht nur heiß brennt und schnell verglüht. Ich rede nicht von der ganz großen Hoffnung, dass "nach Trump alles besser wird", nur die Hoffnung, dass Menschen dazulernen, die Welt nicht statisch ist. Joachim Bessing ist hier ein schönes Beispiel. In den Neunzigern kannte er die richtigen Leute und entwickelte die richtigen Konzepte, Tristesse Royale als Krönung, die mich als lebensfrohen Dörfler nachhaltig beeindruckt hat. Doch sein Schreibstil, das bemerkte ich mit 19 Jahren schon, reichte an den der anderen nicht heran. Seit einigen Jahren aber schreibt er den schönsten Weblog, den ich kenne und in seiner Wortwahl ist nichts mehr von der Stolperei der frühen Jahre:
https://www.waahr.de/2016-the-year-punk-broke

 
 
03
März
Widerspruch
Wie oft muss ich noch von völlig kaputten Schriftstellern lesen, die sich angeblich zu Nichts aufraffen können, dann aber einen Text nach dem nächsten ausspucken?

 
 
22
November
Kaputt
Ich höre zum ersten Mal Soloalbum, mag es auch sehr, beim Lesen hat es mich nicht ganz gepackt, aber Hören: Sehr gut.
Auffällig dabei, wie sich die Medienwelt verändert hat. Internet war noch kein ernstes Thema, nur eines für VHS-Kurse. Höhepunkt: Die Schwester spielt Stucki Popsongs am Telefon vor. Wie schön das war, selbst in völliger Einsamkeit spricht er mit seiner Schwester und sie spielt im Lieder vor!

 
 
02
November
Liebe auf den ersten Blick?
Wie der fünfjährige Sohn umständlich fragt, wen ich denn am liebsten hätte, von allen, die ich überhaupt nicht kennen würde.
Ich erkläre ihm, dass man niemand lieb haben könne, den man nicht kennt. Er widerspricht und argumentiert mit dem neuen Mädchen in der Kita, dass er sehr lieb habe, mit dem er aber nicht spielen könne, da er zu schüchtern sei. 1:0 für ihn.

 
 
25
September
Vorurteile lesen
Berühmte Autoren sind Künstler darin, Physiognomien und Gesichter so zu beschreiben, dass die Beschreibung mit Bedeutung aufgeladen wird. Braven Bürgern wie mir wurde anerzogen, keine Vorurteile zu haben. Daher sehe ich in Gesichtern nichts - und wenn ich etwas sehe, verbiete ich es mir sofort, weil es ja im wörtlichen Sinne ein Vorurteile wäre.

 
 
09
April
Bullish
Um schneller zu radeln, höre ich alte Lieder - wenn ich Zeit habe, läuft Marcel Proust. Heute aber: Die Bullshit-Poesie der frühen Songs von Mando Diao. Es ist die perfekte Lösung für Rocksongs. Irgendwelche englischen Phrasen, ein paar Reime, aber keinerlei Sinn. Sinn in Songs, wer braucht das schon?

 
 
14
Dezember
Proust kann's
Ich höre mich weiterhin durch die verlorene Zeit, auch wenn ich gelegentlich, wenn es zu sehr um Tanten und Blumen geht nicht weiß, warum. Bei solchen Stellen weiß ich es dann doch wieder. Wo hat man jemals derart grandios kochende Milch beschrieben?

"Wer völlig taub geworden ist, kann nicht einmal neben sich Milch in einem Kocher erhitzen, ohne mit den Augen, bei geöffnetem Deckel, dem weißen, hyperboreischen, schneesturmähnlichen Reflex aufzulauern, jenem Warnsignal, dem man klüglich dadurch Rechnung trägt, daß man - wie der Herr den Wogen gebietet - den Stecker herauszieht; denn das aufsteigende, spastische Ei der kochenden Milch ist schon dabei, mittels einiger steiler Wölbungen seinen Höchststand zu erreichen, schwillt an, bläht ein paar halb gekenterte Segel, die der Rahm faltig aufgeworfen hatte, entsendet in den Sturm noch eines aus Perlmutt, das der Stromunterbruch zusammen mit allen anderen, wenn das elektrische Unwetter rechtzeitig beschwört wird, um sich selbst kreisen und, in lose Magnolienblüten
verwandelt, endgültig abdriften lassen wird. Hätte der Kranke aber nicht schnell genug die nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, würden seine Bücher und seine Uhr bald von der milchigen Springflut verschlungen und kaum mehr aus dem weißen Meer hervorragen, so daß er seine alte Bedienstete zu Hilfe rufen müßte, die ihm, wäre er selbst ein berühmter Politiker oder ein großer Schriftsteller, erklären würde, er hätte nicht mehr Verstand als ein fünfjähriges Kind."

 
 
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Last update: 25. Jul, 16:06
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