letzte Kommentare: / ... was ja dafür... damals


15
Oktober
Nebenschablonen
Wenn es eines Beweises bedurfte, dass es durchaus in Ordnung geht, wenn Nebenfiguren schablonenhaft gezeichnet sind, dann der Zauberberg von Thomas Mann. Man nehme Peeperkorn. Übertrieben in jeder Hinsicht, dadurch aber kraftvoll und amüsant. Nebenfiguren dürfen plump sein. Das bringt die Hauptfigur zum Leuchten.

 
 
08
Oktober
Schluss
Kunstvoll schreiben kann er ja, der Thomas Mann, wahlloses Beispiel

"Und so war es denn kein Wunder, daß Frau Ziemßen die schnellsten Verkehrsmittel in Anspruch nahm, um zu ihrem Sohne zu stoßen: schon drei Tage nach Abgang dieses humanen Alarmbriefes traf sie ein, und Hans Castorp holte sie bei Schneegestöber im Schlitten von Station „Dorf“ ab, – legte, auf dem Bahnsteige stehend, bevor das Züglein einfuhr, seine Miene zurecht, daß sie die Mutter nicht gleich zu sehr erschrecke, daß diese aber auch nichts Falsches, Munteres mit dem ersten Blick darin lese."

Aber er weiß nicht, wann Schluss ist. Sein Ausufern tötet selbst des bestwilligesten Wohlwollen. Dagegen ist die verlorene Zeit ja fast noch konzis.

 
 
06
Oktober
Legacy
Die Kinder spielen jetzt Hogwarts Legacy, ich schaue zu. Hogwarts Legacy wird von der Kritik sehr gelobt und ist auch wunderhübsch gemacht. Es wirkt mir aber gleichzeitig wie das letzte Spiel alter Schule als auch wie ein Kind seiner Zeit.
Warum alte Schule?
Ich hätte viel mehr Veränderungen und Verbesserungen seit den 90er Jahre erwartet. Die Grafik sieht gut aus, aber nicht unglaublich viel besser als z.B. Half-Life. Das Spielprinzip ist auch ähnlich mechanisch wie früher: Man läuft durch eine Welt, bekommt Aufgaben, redet mit Charakteren, sammelt Punkte. Alles schön gescriptet und mechanisch. Da muss doch schon sehr bald sehr viel mehr gehen. Dynamisch durch AI generierte Filme, die wirklich auf meine Handlungen als Spieler eingehen, zum Beispiel.
Kind seiner Zeit ist Hogwarts Legacy bei Repräsentation und Humor. Alle Rassen und Geschlechter sind brav vertreten und alle sind vorallem immer sehr nett zueinander. Irony is over! Over and out!

 
 
29
September
Goetz is back
Ich sah des Rainald Goetzens neuestes Stück "Barracke", welches mir stellenweise sehr gut gefiel, insgesamt aber zu unklar war. Rainald Goetz' Vorträge und Antworten auf Fragen mag ich dagegen ohne Abstriche, insbesondere diese überspannte Hellwachheit im Alter.

 
 
20
September
Wilde Kreaturen
Harry Potter mag ja Weltliteratur sein, aber besonders originell finde ich den Namen "Creature" für eine hässliche Kreatur nicht gerade.

 
 
15
September
Golden
Wenn man fühlen will, warum Max Goldt Thomas Mann als eines seiner wenigen Vorbilder nennt, die direkten Einfluss auf sein Schreiben haben, höre man die Hörbücher von Gert Westphal. Seine Intonation gleicht der goldtschen auf entzückende Weise. Und sowohl Goldt als auch Mann gewinnen sehr durch guten Vortrag.

 
 
10
September
Distanz
Ich sah mit einer Freundin „Die Frau ohne Schatten“ in der Oper Neukölln.
Man setzte uns mitten ins Bühnenbild. Die Sänger saßen mit uns auf einem Bett.
Diese Nähe erzeugte aber kein emotional intensives Mittendringefühl sondern Distanz. So viel Nähe hält man kaum aus, dachte ich zuerst. Das stimmte aber nicht, es war nicht schwer auszuhalten, es war aber auch nicht intensiver durch diesen Zoomeffekt.

 
 
08
September
Fürbass
Die Könnerschaft des manisch disziplinierten Thomas Mann bestand auch darin, Seite um Seite elegant ins Nichts zu parlieren, mit immer neuen Wendungen, aber oft ohne nennenswerten Inhalt.

 
 
19
Juli
M:I mögen
Ich wollte den neuen Mission Impossible nicht mögen. Fallout, der Vorgänger, war zu gut, zu knackig und rund, das konnte man nicht einfach mit "noch mehr von allem" toppen.
Am Anfang fühlte ich mich bestätigt: Das war alles sehr wirr, oft ähnlich gesehen, aber jetzt noch länger, noch überdrehter und dabei wirkte es nicht elegant, sondern erstaunlich billig und eher klebrig als flüssig in Dialogen und Wendungen. Am Ende hat mich der Film aber doch gekriegt, eher überfahren. Mit physischer Gewalt hat er mir in der letzten Szene ungewollte Schreie entlockt und vor dem gezeigten Wahnsinn und seiner Wirkung musste ich dann doch kleinbeigeben.

 
 
11
Juli
Handlungsreisender
Handlung ist fast eine Warnung. Zu viel Handlung und die genaue Beobachtung geht notwendig verloren.

 
 
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Last update: 24. Mär, 09:51
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