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03
Dezember
Schlechte Jugend
Warum war früher alles so schlecht? Jugendbücher zum Beispiel. Pumuckl (die Bücher!), aber auch TKKG, Bibi und Tina, Enid Blyton. Alles Schrott und trotzdem Klassiker. Case in point: Der kleine Vampir: Riesenhype damals, aber völlig belanglos. Harry Potter ist dagegen Hochkultur und das sehen aus Anglisten so. Neben Shakespear rangiert das Werk über den jungen Zauberer in den Studiengängen.
01
Dezember
Genies stehlen
Zum ersten Mal war ich in der ersten und einzigen Oper Beethovens. Sie zündete bei mir nicht. Die Ouvertüre ist natürlich klassischer good old Ludwig Van, danach ringt aber das Orchester mit den den Sängern und diese mit der holzpuppenhaften Handlung und dem verstolperten Libretto. Alles ist da: Liebe, Verwechslung, Drama, Arien, Quartette. Aber wo ist der Schwung, der Witz, das Genie? Mozarts Symphonien gefallen mir nicht, zu gefällig scheinen sie. Doch in den Opern, selbst in seiner dunkelsten, blitzt bestädnig der Schalk im Nacken des Erschaffers durch. Beethoven leider: Stets bemüht, auch im behaupteten Freiheitsfinale des Gefangenenchors.
01
Dezember
Regelbruch
Die einzige Kunstgattung, welche die eiserne Regel "Show, don't tell!" brechen, ja sogar umgekehren darf, ist die Oper. Daher funktioniert sie auch am besten, wenn man die Augen schließt.
23
Oktober
Mittel
Immer wieder ärgert mich milde der Erfolg der Mittelmäßigkeit. Warum sind so eindeutig belanglose Werke oft so dermaßen erfolgreich? Schreckt Qualität ab, will die Masse nur seichte Kost? Das scheint ja nicht zu stimmen. Große Meisterwerke sind ja, sofern sie ansatzweise massenkompatibel sind, auch oft sehr erfolgreich. Vielleicht gibt es einfach zu wenig zugängliche Meisterwerke und dann weicht das Volk auf Seichtheit aus, was dieser Seichtheit Millionen zuspült? Aber die Leute sind ja tatsächlich Fans von diesem Känguru.
21
Oktober
Bescheidenheit ist eine Zier, doch schöner lebt's sich's ohne ihr
Ich lese und höre zur Zeit gerne von Erik Hoel, Neurowissenschaftler und Autor. Hier über Kunst, Träume und Bewusstsein:
https://erikhoel.substack.com/p/exit-the-supersensorium Spannendes Zeug, sprachlich gekonnt, anspruchsvoll aber gut lesbar. Top Content! Will ich dem Mann etwas ankreiden? Ja, seinen Schwulst. Bescheidenheit zu spielen lernt er noch. Vielleicht will er es aber auch gar nicht. Bescheidenheit ist ja auch eine Bremse, ein Versteck. Und er mag die große Geste, den Pomp. Es darf knallen, es dürfen die großen Namen sein.
07
September
Fadeout
Max Goldt hat sehr oft recht und sehr oft gute Ideen. Sein Feiern der pointenlosen Pointe bei sich und anderen gibt mir immer wieder zu Denken. Ja, es gibt faule, doofe und gezwungene Pointen. Da ist es besser, keine zu haben. Aber sind nicht gute Pointen besser als keine? So ein sanften Ausplätschern des Textes oder Comics, das ist doch unbefriedigend. Immer besser, wenn es knallt. Aber richtig!
11
August
Replayzwänge
Ohne Hardcorefan zu sein, schaue ich bestimmte Filmklassiker öfter an. Die absolut offensichtlichen Klassiker wie Zurück in die Zukunft, Star Wars, Indiana Jones. Interessanter und aufregender sind natürlich neue Sachen, die auf irgendeine Art verstören. Fabian von 2021 war eingutes Beispiel, angenehm edgy und mit Sinn via Hochkultur dahinter. Die Klassiker sind eine reine, dumme Freude, besonders wenn die Kinder sie zum ersten Mal sehen. Denn beim ersten Mal ist alles geiler, zumindest die guten Dinge.
Auch Spieleklassiker spiele ich wiederholt, insbesondere die LucasArts Adventures. Die Kinder haben große Freude, doch ich bin heute wie damals eher genervt, wenn ich ganz ehrlich bin. Ja, manches ist wirklich nett gemacht und die Zitate aus den Spielen prägen mein Leben. Aber sind die Cutszenen und Dialoge wirklich cool? Verglichen mit Filmen zündet das alles nicht recht. Dennoch, ich kann es nicht lassen. Sorgen um meine geistige Gesundheit mache ich mir in dieser Beziehung noch nicht. Das stünde wohl eher bei den Menschen an, die ihr Leben lang nichts anders als "Day of the Tentacle" spielen, immer am Handy, immer wieder, dabei aber keinen Speedrun anstreben.
10
Juni
Mädchenmeuterei
Zur Vorbereitung auf meinen Podcast las ich das Buch "Mädchenmeuterei" von der hochsympathischen Kirsten Fuchs. Die Frau ist wirklich lustig und kann hervorragend schreiben. Außerdem gelingt ihr eine ernsthaft gute, weil treffende und lustige Metapher pro Seite. Trotzdem konnte ich das Buch nicht lieben. Eine eher mäandernde als straffe Handlung ist nicht das Problem, Handlung brauche ich nicht. Was mich gestört hat, war der äußerst konsquent gehaltene Stauneblick der Protagonistin. Es gibt keine passendere Haltung für Teenager auf Reisen, aber in dieser Konsequenz nervt das vermutlich viele erwachsenen Leser.
Dennoch: Kirsten kann's!
31
Mai
Hell
Aber ernsthaft oder auch scherzhaft durchhören kann man eben doch kein neueres Ärztealbum, auch wenn ein paar Songs fetzen: Das Konzept der Punk-Quatsch-Opas mit Moral fetzt eben nicht.
30
Mai
Dunkel
Zum Anlass des Ärztekonzerts unter dem Büro meiner Frau hab ich dann doch mal in das letzte Album reingehört. Es ist ein Fluch. Einiges ist mindestens so gut wie früher, vermutlich sogar ein wenig besser. Aber ich kann es nicht so sehr mögen wie die alten Sachen. Arme Künstler! Gute Arbeit reicht nicht, sie müssen sich immer wieder neu erfinden und wirklich überraschen, um zu beeindrucken. Kunst muss ja beeindrucken, immer irgendwie neu sein. Glückselig, wer immer neue junge Fans generiert, die können objektiver auswählen, welche Songs wirklich zünden. Als Künstler muss man von jungen gemocht werden wollen und das auch werden. Die Ärzte schaffen das, erstaunlicherweise. Daher muss mein Daumen rauf, auch wenn ich es nicht fühlen kann.
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