letzte Kommentare: / ... was ja dafür... damals


26
Februar
Alter!
Ich gehe selten "auf die Berlinale", weil es für Normalos ja nichts anderes ist, als ins Kino zu gehen. Etwas kunstsinnigeres Publikum und keine Werbung vorher, das ist der Unterschied. Und man sieht Filme, vor denen Metacritic noch nicht warnen kann - das könnte ein Vorteil sein. Gestern "Sterben", ein Film über Liebe, Musik, Altern und, klar, Sterben. Mit Lars Eidinger und Corinna Harfouch. Der Film will große Tragik sein, nimmt sich viel vor. Mancher Kritik meint, das alleine müsse man schon lobend hervorheben. Im aktuellen Zustand des deutschen Films stimmt das vielleicht. Es ist wohl ein unfairer Vergleich, aber woran soll man sich messen, wenn nicht an den Guten? Michael Hanneke mit "Liebe" schafft ein eindringlicheres Portrait eines alternden Paares, Anthony Hopkins in "the father" setzt die Messlatte für die Darstellung von Demenz. In deutschen Filmen sieht man, dass unsere Schauspielschulen für die Bühne ausbilden. In "Sterben" wird großartig gespielt, aber vielleicht zu großartig. Man sieht den Schauspielern beim Spielen zu und respektiert manchmal ihre Leistung, manchmal auch weniger. Das liegt dann eher am Drehbuch, was oft auch absurde Komik einbaut und damit, möglicherweise intelligent, der Tragik des Films oft entgegenläuft. Glaubwürdig und genau spielen geht aber anders. Vielleicht will der Film gar nicht genau sein, sondern hauptsächlich drastisch? Aber auch das geht besser: Ulrich Seidl kann es beides und das auch mit Schauspielern, die vom Theater kommen.

 
 
23
Februar
Hum, Hum!
Humor ist, wenn man trotzdem lacht - so muss es leider bei Humor oft sein, weil guter Humor so schwierig ist. Klischees, Dialekte, schwarzer Humor, die Schemata sind bekannt. Humor soll aber ja gewitzt sein, also neu, ähnlich wie Kunst. Die soll einen zum Staunen bringen, aber auch hier sind die Schemata endlich. Kunst ist, wenn man trotzdem staunt, könnte man sagen. Und so ging es mir dann leider auch in der neuen Nationalgallerie. Wobei es bei Kunst im Original auch um sinnliche Erfahrung geht, um die Aura. Die kann den Humor auch retten: Wenn schon nicht absolut originell, dann immerhin charmant vorgetragen. Das hilft auf jeden Fall mehr, als die Aura alter Kunstfilme dadurch übertragen zu wollen, dass alte Radios im Kunstwerk eingebaut sind, die heute nichts mehr empfangen - man kann das aber nicht ändern, weil konservatorische Auftrag. Also im Zweifel doch lieber Humor, Lachen aus der Konserve mag niemand.

 
 
30
Januar
Dampf
Ein Freund, besessen von Dämonen, hat die These, dass Schriftsteller ihre Gefühle beim Schreiben notwendig abdämpfen. So direkt, wie Gefühle sind, können sie beim Schreiben nicht vermittelt werden. Ich hatte bisher das Gegenteil angenommen: Jeder Hauch von Gefühlswallung muss beim Schreiben gesteigert werden, um ihn für den Leser intensiver zu machen und der amöbenhaften Gleichgültigkeit zu entkommen.

 
 
28
Januar
Kunstbetrachtungen
Immer wieder will ich Kunst betrachten können. Immer wieder scheitere ich. Ich wandle durch Museen und Gallerien, neige meinen Kopf, denke, suche Bezüge, finde vielleicht ab und zu einen Gedanken, der mir aber offensichtlich vorkommt, weil ich ihn ja selbst hatte. Gefühle treten nicht auf, das versuche ich gar nicht mehr. Film, Literatur und Musik geht direkt ins Gefühl, Bilder liefern zu wenig Sinnesinput. Ich versuche es manchmal mit einer Art meditativen Versenkung in Bilder. Große Bilder fangen dann nach ein paar Minuten zu flirren an. Doch das scheint mir auch nicht die Art der Epiphanie zu sein, die ich suche. Es ist eher eine Müdigkeit der Sinne, sie kann sich genau so im Wohnzimmer einstellen, wenn ich 3 Minuten in die Luft schaue. Also lese ich die Texte zur Kunst, versuche über die Theorie nachzudenken. Sie ist meistens wirr und unklar, weil es ja um Kunst geht und nicht um Philosophie. Es bleibt also das Wandeln und der Versuch der Kunstbetrachtung, das sich Einlassenwollen. Auch das ist schon etwas wert und lockt mich gelegentlich. Vielleicht auch der soziale Status und mein Unverständnis. Irgendetwas muss doch dran sein an der Kunst und vielleicht kann ich es mit Übung knacken.

 
 
23
Januar
Mut
Sich trauen oder nichts verhauen? Künstler müssen schon was wagen, aber gute Literatur erkennt man eher daran, dass kein poetisches Bild verhauen ist, als dass der Autor viele Bilder wagt, die dann teilweise schief hängen.

 
 
15
Januar
Mikromimikri
Es gibt zwei Filme, die auf englisch "Lie with me" heißen. Der ältere ist heiß, aber ungenau, der neuere kommt aus Frankreich und zeigt ein feines Minenspiel, wie es selten zu erleben ist. Auf den Punkt perfekt, fast zu perfekt, so als wollten die Schauspieler angeben: Schaut mal, wie subtil ich zucken kann. Sehenswert!

 
 
14
Januar
Joint Venture Konzert
Joint Venture kannte ich in den 90ern, obwohl ich nicht aus Bonn komme. Sprachlich gekonnt, damit hat man mich schnell. Das zwischen den Beinen ist das beste Beispiel.
Zwei Dinge wunderten mich auf dem Konzert gestern im SO36: Warum hat der Sänger Götz Widmann so viele junge, weiblich Fans? Bzw. woher? Lockt er die auf social media an? Er ist der Archetyp des alten Sacks. Mögen die jungen sowas wieder? Das SO36 ist doch auch eher eine alte Säcke Institution, daran kann es kaum liegen.
Außerdem das Wort "Liedermacher". Sind nicht fast alle irgendwie Liedermacher? Liederschreiber&Sänger wäre ja viel klarer. Aber Klarheit und Kunst passen wohl nicht zusammen.

 
 
28
Dezember
Harry Podcast
Kein Geheimtipp, aber für die Zeit zwischen den Jahren besonders geeignet. Coldmirror und ihr 5 Minuten Harry Podcast, link spare ich mir, wäre ja albern, als ob man das nicht kennte und falls nicht, es nicht finden würde.
Mit Harry selbst werde ich nie ganz warm. Ich bin eher die Nirvana als die Harry Potter Generation außerdem ist mir Fantasy viel zu phantasievoll - da geht dann immer plötzlich einfach alles, man braucht nicht mal ein Plot Device. In Unterhaltungen werfe ich gerne ein, dass laut einer befreundeten Anglistin nur Shakespeare und Harry Potter im Anglistik Studium Pflicht sind, den Rest könne man sich aussuchen. Ich würde eher den Harry Podcast zur Pflicht im Germanistik-Studium machen. In jeder Folge wird mindestens eine Stunde über 5 Minuten des ersten Harry Potter Films gesprochen. Manisches Fantum, manisch präsentiert, irrer Witz. Cold Mirror muss Harry Potter unbändig lieben, sonst würde sie nicht seit 2015 weitermachen. Aber Liebe und Fantum trägt selbstverständlich nicht durch 8 Jahre und daher sind die Folgen ein verrücktes Feuerwerk aus Fun Facts und Obsessionen über völlig irrelevante (Fehl)entscheidungen. Das ist wirklich etwas für meine ganze Familie! Und jetzt ist er am Ende. Groß!

 
 
08
Dezember
Moderne Kunst
Der große Scott schrieb vor zwei Jahren darüber, warum moderne Kunst, Kleidung und Architektur so hässlich sind, beziehungsweise, warum sie der Mehrheit nicht gefallen.
Eine langweiligere These gibt es kaum. Das ist genau die Meinung meiner Oma.
Jedoch: dem großen Scott gelingt es selbst mit einer so lahmen wie vermutlich falschen These, das Maximum herauszuholen. Jeder Aspekt wird diskutiert, Verschwörungstheorien eingebracht und ein Titel gefunden, der mir immer noch im Ohr ist. Volles Bildungspopcorn. So falsch wie genial:
https://www.astralcodexten.com/p/whither-tartaria

 
 
07
Dezember
Wintermärchen
Zwang zur Poesie vor dem großen Schmelz. Die Tristesse des gelblich-schimmligen Laubs von halbem Nebel schwach umhüllt, nasser Beton, Einsamkeit und Kälte, bräunliche Wiesenflecken auf gerade noch deckendem Schnee. Ich photographiere und fühle mich angemessen.

 
 
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Last update: 23. Mär, 09:00
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