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18
Oktober
Das Rechte Maß
Das rechte Maß in der Architektur. Rom kennt es nicht. Rom ist derart überdimensional angelegt, derart überwältigend, dass man dem Eindruck nur durch blödes Lachen entkommt. Durchaus genussreich, diese Maßüberschreitung. Wohlabgewogen sind andere Städte.
30
August
Mein Berlin
Die Kälte Härte Berlins nach dem sengenden Süden. Leben im Klischee: Dort in Italien überquellende Lebenslust, hier Beton, Funktionalismus (der bösen Art, nicht der stilvoll eleganten), Menschen die zur Arbeit hasten oder sich stählen wollen durch grimmiges Joggen. Deutsche Kaulquappengesichter in Funktionswäsche. Blubb. Berlin ist weder der feinsinnig ironische Norden, noch der lebenspralle Süden, sondern dumpfer Schlamm mit Klötzen bebaut, oder noch schlimmer: Klötzchenhäusern. Der Berliner Hedonismus, er scheint in seiner Härte mehr der Unterdrückung von Gefühlen zu dienen, als dem Lustgewinn. Wenn diese coole Härte wenigsten bedeuten würde, dass die Stadt funktioniert wie ein sprichwörtliches Uhrwerk! Tut sie aber angeblich nicht - zum Glück merke ich davon nicht viel. Im Alltag läuft alles perfekt, auf Ämtern ist man ja selten. Und vermutlich finden viele diese stumpfe Techno-Härte cool. Aber cool bin ich ja gar nicht. Was will ich also hier? Naja, leben und arbeiten, das geht schon gut und Berlin ist, so viel muss wohl jeder zugeben, viel mehr als sein Klischee, die Auswahlmöglichkeiten für Lebensstile sind groß. Nur eben nicht auf dem Weg zur Arbeit durch Mitte.
Mir springt dieser Slogan ins Gesicht und scheint mir passend: Wir sägen Beton.
21
August
Passung
Mailand ist der richtige Ort für hippe Restaurants. In Marokko wirken sie angestrengt und nachgemacht, in Berlin passt die grundsätzlich eher barbarische Kultur der Stadt nicht zu dem von außen hereingetragenen Feinsinn. In Mailand müssen hippe Restaurants sein, genau da gehören sie hin.
05
Juli
Post-Covid
Corona ist jetzt wirklich endgültig vorbei, die nächste Pandemie kommt irgendwann. Was bleibt? Bei mir der Eindruck, dass westliche Staaten durchaus bereit sind, gegen die Marktkräfte zu handeln, auch sehr radikal. Moral und Menschenleben werden höher wertgeschätzt, als ich angenommen hätte. Fast niemand schloss sich Boris Palmer "Die meisten wären ohnehin bald gestorben" an. Die hilflosen Reaktionen auf Corona waren ein moralischer Triumph und exekutives Scheitern in der kurzen Frist. Weil unsere Demokratien bewusst dysfunktional designed sind. Sie sollen nicht durchgreifen können, deshalb konnten sie es nicht. Eine schöne zivilisatorische Leistung zu sehen, dass diese Dysfunktionalitäten sich langfristig lohnen. Wer sieht jetzt noch China als Vorbild?
07
Juni
Deutschtum
Der Deutsche, die Deutschen, Deutschsein oder auch Deutsch-Deutsche Geschichten. Das waren vor 20-30 Jahren häufige Themen im Feuilleton. Heute haben wir "andere Sorgen". Dennoch ein kurzer Schwenk zurück und die Erkenntnis: Der deutsche Tourist, oder besser sein Klischee ist das perfekte Symbol des modernen Deutschen. Diese Mischung aus Weltoffenheit, dem Drang sein Land und seine Grenzen zu verlassen, bei gleichzeitigem verbohrtem Strebertum und daraus folgender totaler Weltverschlossenheit. Das eine bedingt das andere, diese Reisesehnsucht folgt aus den engen Grenzen des Denkens und diese engen Grenzen torpedieren den Sinn der Reise, was den sehnlichen Wunsch nach Reise, Weite und Welt wiederum verstärkt.
[Außer Thesen nichts gewesen]
28
Mai
Mein Leipzig
Mein Leipzig lob ich mir. Jedes Mal scheint mir mein Lob der Stadt übertrieben. Ich schwärme von der Grandezza, die sie mehr als Berlin versprühe, von der Großzügigkeit ihrer Anlagen, von ihrer innovativen Architektur, von ihren kunstsinningen und freundlichen Bewohnern und glaube mir selbst nicht recht. Dann kehre ich zurück und sehe meine Erzählungen übertroffen. Schaut auf diese Stadt. (Bedauerlicherweise hat der Taxifahrer recht: Das Gehaltsniveau ist erbärmlich niedrig.)
19
Mai
Blicke
Auch ungewollte Blicke fallen unter das allgemeine Gleichstellungsgesetz, lerne ich:
https://www.businessinsider.de/gruenderszene/karriere-startup/psychologin-ueber-sexuelle-belaestigung-metoo/ Eine Beobachtung zu Blicken: Die Blicke von alten Männern werden öfter als eklig empfunden als die von jungen. Dabei schließe ich qua Introspektion und Erinnerung, dass die Blicke und hinter ihnen liegenden Vorstellungen von Teenagern im Durchschnitt viel lüsterner sind. Bei älteren gibt es oft eher einen etwas zwanghaften, weil in den prägenden Jahren gelernten Blick von eher interesselosem Wohlgefallen. Dieser Blick wird weniger verziehen, die alten sollen sich zu benehmen wissen. Die jungen dürfen über die Strenge schlagen, sie fürchtet man weniger. (Ja, generisches Maskulinum, es gibt Grenzen seiner Ersetzbarkeit)
05
März
Denken
Die "large language models" wie ChatGPT beeindrucken, der Hype flaut nicht ab, weil er keiner ist sondern echt etwas Fundamentales passiert. Das geht nicht wieder weg, so wie auch Strom oder das Internet nicht wieder weggehen.
Die erste Kritik, die man immer wieder hört, besagt dass die large language models nicht intelligent sein könnten, weil sie prinzipiell immer nur das nächste Wort vorhersagen können. Sie können nur pattern matching. Doch gutes pattern matching ist schon sehr viel. Vielleicht ist pattern matching sogar alles. Vor einigen Jahren lachten einige "data scientists" noch über meine deartige Vermutung. Jetzt sind die KIs auf dem Niveau meiner Doktorarbeit in der Philosophie angekommen. Wirklich originell musste ich dazu nicht sein, nur die Literatur kennen und den Ton treffen. Der einzige Aspekt, der aktuell zu fehlen scheint ist "thinking slow". "Thinking fast" kann die KI. Aber die Kritik an sich selbst kann sie noch nicht. Microsoft versucht genau das mit dem neuen Bing und scheitert auf interessanteweise. Das neue Bing nennt Quellen, aber die Antworten behaupten öfter völlig zu den Quellen konträre Dinge. "Thinking slow" lässt sich in die large language models derzeit nicht integrieren. Natürlich ist man dran, aber so richtig "out in the wild" sehe ich da noch nichts. Dauert ein paar Wochen.
29
November
Gernegroß
Kein ganz Großer ging mit Hans Magnus. Einer, den ich zunächst für einen der ganz alten, staatstragenden Intellektuellen der BRD hielt. Allein der Name: Magnus. So heißt kein junger. Vielleicht war er der Wildeste von den Alten. Einer der wenigstens dabei war, wenn es wild wurde. Ein Punk noch nicht, aber auch kein Angestaubter Bügelfaltenträger. Immerhin kann man jetzt nicht mehr sagen, er sei "jung geblieben", ein gutes hat sein Ende also doch.
28
November
BeReal
In der noch recht neuen SocialMedia App BeReal zeigt man sich so, wie man ist, ungefiltert, mit Selfi und Umgebung. Socialmedia Experten sind kritisch, so funktioniere die Selbstinszenierung nicht, das Leben sei meistens langweilig. Vielleicht kann man die jungen Leute aber mit Langeweile gut locken. Inszenierung haben sie jedenfalls anderswo genug.
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