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02
September
Die großen Fragen
Ich musste 43 Jahre alt werden und noch einmal nach London reisen, bis ich mir die Frage aller Fragen stellen konnte: Warum gibt es Bahnhofshallen? In allen Fällen, insbesondere bei Dampfloks sind überdachte Bahngleise besser als Hallen. Aber man wollte Hallen. Weil man Hallen bauen konnte. Weil Eisenbahnen der heiße Shit waren. Weil Stahlkonstruktionen die Lösung für alles waren. So effektiv war die Angeberei, dass sie heute von allen Menschen außer mir als selbstverständlich angsehen wird. Heute wollen wir alles mit Internet und AI lösen, damals baute man Stahlhallen. Bessere Gründe gibt es nicht für Bahnhofshallen.
24
Juni
Länge und Technik
Qualität von Literatur ist hauptsächlich durch Länge defininiert. Ein paar gute Gedanken hat jeder, ich bin hier der beste Beweis dafür. Doch gute Literatur muss am laufenden Band gute Gedanken produzieren, konsistent gut und ausführlich, nicht nach dem ersten halben Witz aufhören, sondern das Ding weitertreiben und auch noch den großen Bogen spannen, idealerweise sogar die großen Fragen der Menschheit berühren, ohne sie beantworten zu wollen - was der Grundfehler der Philosophie ist. Gute Literatur ist gewissermaßen das Gegenteil guter Philosophie: Die ist klein und genau, darf langweilen, braucht oft nur einen einzigen guten Gedanken, den sie nicht weitertreibt, sonder immer mehr einengt. Große Thesen im kleinen Format - im Sinne dieses Posts nicht gut, machen mir aber immer noch Spaß.
25
Mai
Minderheitsvotum
Wie so Vieles wird Zugfahren besser und billiger. Gesendet aus dem Flixtrain nach Hamburg.
23
April
Namensmechaniken
Einer der beliebtesten Einträge in diesem Weblog besteht aus einer schlichten Liste aus Namen von ehemaligen Studierenden meines Studiengangs. Eine Wahrheit, die Max Goldt aussprach, ist die Konstruktion bemerkenswerter Namen durch den Austausch eines Konsonanten und die direkt damit zusammenhängende Ausstrahlung der Namensträger. "Natthias Neutert" wird genannt oder "Jonika Jahrs". Solche Namen sind Prädiktoren für Erfolg. Mich erfreut seit einiger Zeit der Name des garantiert äußerst erfolgreichen Ex-Kollegens "Timon von der Thüsen".
09
April
Sell Out
Die archetypische Geisteshaltung meiner Generation sei es, sich "vom System" in seiner Freiheit als Künstler unterdrückt zu fühlen und jeglichen erwachsenen Lebenslauf als "sell out" an "den Kapitalismus" zu empfinden. Für dieses System zu kämpfen, liege uns fern. Das mag stimmen. Aber ich für meinen Teil, habe den "sell out" stärker in Akademia empfunden, dort war der Normierungsdruck wesentlich höher, die Freiheiten geringer. Insofern, doppelter Bullshit, diese angebliche Geisteshaltung meiner angeblichen Generation.
16
März
Gang vor die Hunde
Ist Erich Kästners "Fabian" das Buch der Stunde? Das Berlin des Romans wirkt "erschreckend aktuell", aber es gibt doch einen entscheidenden Unterschied: Heute ist niemand mehr so arm, dass er/sie hunger muss. Und arbeitslos ist auch fast niemand mehr. Sorgen, die vor zwanzig Jahren noch aktuell waren haben sie ins Gegenteil verkehrt: Gute Arbeitskräfte sind kaum zu finden. Mehr Automatisierung wirkt nicht mehr wie eine Bedrohung, sondern wie eine Möglichkeit zur Erlösung.
04
Februar
Übergeneralisierung
Geisteswissenschaftler werden eingestellt, weil sie helfen sollen, über den Tellerrand hinauszublicken. So denken HR Abteilungen, häufig voller Geisteswissenschaftler.
Jedoch: Gebrochene Geisteswissenschaftler, die dankbar für jeden Job sind, sind häufig verängstigte Kreaturen und damit oft weniger visionär, als übersprudelnde Techies, wenn man sie mal sprudeln lässt und nicht nur schnellen Output verlangt.
31
Januar
Eurozentrismus
Alte europäische Städte sind die besten. Das ist fast schon eine Tautologie: Diese lebenden Museen, angereichert mit Stil und Kultur sind die Definition der guten Stadt. Städte in anderen Kontinenten können versuchen das nachzumachen, aber werden daher maximal als gute Kopie durchgehen - oder sie müssen andere Reize haben, die man aus perversen Gründen geil finden könnte - sowas geht aber nicht als gut durch, sondern als willkommene Abwechslung.
26
Januar
Ängste
Überall Ängste vor der KI, die uns alle töten wird, die bald schon alles, wirklich alles besser können wird als wir Menschen. Doch niemand zieht daraus, den Schluss, dass Kinder weniger ihre Ratio trainieren sollten. Mathe sollen sie immer noch pauken. Naheliegend wäre doch, die spezifisch menschlichen Dinge zu üben, die Empathie, menschliche Wärme, die Seele, Kunst. Dinge, bei denen es nicht auf Perfektion ankommt, bei denen man gar nicht sagen könnte, ob eine KI sie "besser" kann - weil man sie von einer KI gar nicht haben will.
Aber diesen Schwenk in der Erziehung ihrer Kinder zu machen, davor haben die Ängstlichen zu viel Angst.
13
Januar
VR und ich
Ich habe die Playstation VR 1, jetzt habe eine neue Meta Quest 3 VR Brille und finde sie geil. Ich warte besessen auf die Apple Vision Pro. VR ist mein Ding, seit ich im Adventurespiel Sam&Max davon gehört habe. Im Jahr 2000 war ich das erste Mal in Berlin und was wollte ich dort finden? Eine VR Station. Es gab noch kein mobiles Internet, ich zog von Bar zu Bar und fragte Leute, wo es denn in Berlin VR geben würde.
Bisher war alles immer langfristig enttäuschend, unpraktisch und asozial. Der Whow-Effekt groß, aber das hat eher zum Herzeigen als zum Selbstnutzen motiviert. Bei der Quest 3 ist das genauso, aber sie zeigt als eine Art Tech Demo, was gutes VR sein könnte. Vielleicht kriegt es Apple wieder hin. (Man muss wissen: Ich bin kein Gamer.)
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