letzte Kommentare: / ... was ja dafür... damals / Schule wirkt nach pelicola delle rane / glaube nicht, dass... c17h19no3


20
Dezember
Cooler Stress
Rauchen war früher cool, auch weil Coolness cool war. Rauchen hieß ja, sich zurücklehnen. Eigentlich gar nichts machen. Zweifelhafter Geschmack zwar, aber doch Ruhe, Genuss, auch ein wenig Verspottung der Welt. Heute in der Smartphone und Social-Media Welt zerfällt diese Idee im Ansatz. Nicht Genuss und Ablehnung, also Coolness, sind angesagt, sondern Disziplin, Schauwert, Likes also eigentlich Stress. Ja, gestresst ist das neue cool. Wobei jetzt natürlich und immer auch dabei, also parallel die gegenläufige Bewegung, der "detox" mitläuft.

 
 
19
Dezember
Mein Geiz
Nie habe ich diesen mittelguten Nachtisch für einen Euro angerührt. Seit er kostenlos dabei ist, nehme ich fast immer einen. Was sagt das über mich?

 
 
18
Dezember
Bingo
Maximales Gaga-Niveau auf den Weihnachtsgrüßen eines Unternehmens: "Receptivity memex 2019", "Psalm 127:2 (auf englisch)", "Dennis Rudolph: The Portal Screenshot VR Installation", "Zahnarztpraxis für Obdachlose".

 
 
17
Dezember
Großliteraten
Weiter im unmöglichen Vergleich der zwei langen Bücher, die ich in diesem Jahr gehört habe:

Robert Musil ist interessant, weil er voraus, in mein Jahrhundert schaut, Marcel Proust langweit dagegen, denn er schaut zurück und entschädigt nur gelegentlich mit sprachlichen Kostbarkeiten.

 
 
16
Dezember
Hobbylinguist
Was soll eigentlich immer die Rede vom defensiven Fahren? Man meint damit wohl vorsichtiges Fahren, schon klar. Aber wo ist die Verteidigung? Wenn jemand aggressiv fährt, soll ich ihn ausbremsen?

 
 
15
Dezember
Putzmusik
Dass ich nie verstehe, wie mit der Musik einfach Schluss sein kann. Ich empfinde das geradezu als hart und brutal, Musik aus, Licht an, Ende. Oder offensichtliche Putzmusik. Das dürfte doch nicht erlaubt sein, solange noch einer tanzen will.

 
 
14
Dezember
Proust kann's
Ich höre mich weiterhin durch die verlorene Zeit, auch wenn ich gelegentlich, wenn es zu sehr um Tanten und Blumen geht nicht weiß, warum. Bei solchen Stellen weiß ich es dann doch wieder. Wo hat man jemals derart grandios kochende Milch beschrieben?

"Wer völlig taub geworden ist, kann nicht einmal neben sich Milch in einem Kocher erhitzen, ohne mit den Augen, bei geöffnetem Deckel, dem weißen, hyperboreischen, schneesturmähnlichen Reflex aufzulauern, jenem Warnsignal, dem man klüglich dadurch Rechnung trägt, daß man - wie der Herr den Wogen gebietet - den Stecker herauszieht; denn das aufsteigende, spastische Ei der kochenden Milch ist schon dabei, mittels einiger steiler Wölbungen seinen Höchststand zu erreichen, schwillt an, bläht ein paar halb gekenterte Segel, die der Rahm faltig aufgeworfen hatte, entsendet in den Sturm noch eines aus Perlmutt, das der Stromunterbruch zusammen mit allen anderen, wenn das elektrische Unwetter rechtzeitig beschwört wird, um sich selbst kreisen und, in lose Magnolienblüten
verwandelt, endgültig abdriften lassen wird. Hätte der Kranke aber nicht schnell genug die nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, würden seine Bücher und seine Uhr bald von der milchigen Springflut verschlungen und kaum mehr aus dem weißen Meer hervorragen, so daß er seine alte Bedienstete zu Hilfe rufen müßte, die ihm, wäre er selbst ein berühmter Politiker oder ein großer Schriftsteller, erklären würde, er hätte nicht mehr Verstand als ein fünfjähriges Kind."

 
 
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Last update: 20. Jan, 09:41
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