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17
November
Gute Schule, schlechte Schule
Erst kürzlich in dieser Klarheit bemerkt, dass an ich an meinem Gymnasium wohl wirklich die beste aller möglichen Schulzeiten mit den unvorstellbar schlechtesten aller LehrerInnen hatte. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang, geschadet hat er mir nicht, meine ich, nicht unbedingt mein Umfeld.
24
Oktober
Pragmatismus und Seele
Ich sehe einige Menschen, die sich mit hehren Idealen in Sache Liebe sichtbar schaden, ja, ihre Ideale sogar weniger erreichen, je höher sie sie hängen. Beziehungen kriseln und sie sprechen von Treue über den Tod hinaus. Eine deutlich pragmatischer gestimmte Lebensweise scheint jedenfalls im Durchschnitt glücklicher zu machen, wirkt aber natürlich lascher, seelenloser vielleicht sogar, aber vermutlich erreicht sie das Ideal der lebenslangen Liebe doch besser, als hohe und falsche Erwartungen.
20
Oktober
Abwage
Immer die ewige Abwage: Dinge tun, die gut und richtig sind, die man tun sollte, oder solche, die wirklich direkt Freude machen? Die Alten raten, in der kuscheligen Sicherheit ihrer Rente den Jungen meistens zur direkten Ausnutzung ihrer Fähigkeit zur Freude an Dingen, die man im Alter vielleicht bereut nicht getan zu haben, weil man dachte, etwas anderes zu sollen. Aber ändert man sich durch die Befolgung des Sollens in die Richtung, die man sich dabei wünscht? Vermutlich kaum, so wie Erziehung von Kindern auch kaum etwas ändert. Wenn man einen freien Willen hätte, würde man sich also gegen das Sollen entscheiden.
25
September
Romantik
In Zeiten von Tinder wirkt es fast schon romantisch, ein vollständiges Profil bei OkCupid auszufüllen. Aber das fängt jetzt wieder an. Bestimmt spricht man demnächst sogar wieder Menschen in Bars an, wenn es sich wieder völlig normal anfühlt, in Bars zu gehen und sich in engen Räumen bei schlechter Luft und lauter Musik mit Menschen zu drängen.
15
September
Stilwillen
Nicht nur beim erschlaffenden Körper, auch beim Stilwillen nagt der Zahn der Zeit. Was früher schmerzhaft falsch war, wird heute mit einem achselzuckenden "so ist die Welt eben" geschluckt. Man nennt das vielleicht Erwachsenwerden und es ist wohl vernünftig. Aber schade.
09
September
Expertentum
In den frühen Neunzigerjahren las ich Autozeitschriften und kannte mich folglich mit Autos aus. Wenn ich jetzt beim Mittagessen auf Kennertum und Fachsimpelei in Bezug auf Ventile, Fahrwerke und Modellbezeichnungen stoße, kann ich zwar etwas beitragen, zögere dabei aber. Wer nimmt solches Wissen ernst? Sollte man nicht andere Dinge wissen oder können? Freundenvollere!
06
September
40
Mit 40 gescheit werden, das könnte mir so langsam passieren. Gescheit allerdings in einem Sinne, das mir das Staunen und daher vermutlich auch das Berichten über mein Staunen in dieser Webpublikation vergeht. Ich werde zufrieden, mein Leben ist schön. Und das ist natürlich langweilig und wenn etwas langweilig ist, soll man davon schweigen.
13
August
Stufen des Nerdtums
Stufe 1: Genauigkeit erkennen und bewundern. Das ist mein Niveau.
Stufe 2: Genau beobachten und präzise beschreiben. Stufe 3: Kluge und neuartige Dinge erschaffen.
16
Juli
Büromotivation
In Ämtern oder beamtenartig organisierten Firmen hängt an Arbeitsplätzen oft der Spruch: "Ich bin auf der Arbeit. Nicht auf der Flucht." Den Spruch halte ich zwar für fragewürdig in seinem Subtext, verstehe aber, was gemeint ist.
An meinem aktuellen Arbeitsplatz (ja, ich habe nach einem knappen Jahr das Homeoffice verlassen) hängt ein Spruch, der mich ständig ablenkt, weil ich nicht weiß, was er sagen will: "Unmögliches machen wir sofort, Wunder dauern etwas länger."
09
Juni
Stärke
Flache These: Starke Menschen lieben es, Befehlen zu gehorchen. Gelegentlich, naturgemäß. Zumindest haben sie keinerlei Schwierigkeiten sich unterzuordnen. Sie müssen sich nichts beweisen und fühlen sich allgemein nicht unterdrückt. Statt "stark" könnte man auch "privilegiert" schreiben. Alles Gute kommt von nicht mehr von oben, sondern ist ein Privileg und damit tendenziell böse. Einiges ehemals Schlechte bedarf besonderer Berücksichtigung.
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