letzte Kommentare: / ... was ja dafür... damals / Schule wirkt nach pelicola delle rane / glaube nicht, dass... c17h19no3


05
August
Die Überlegenheit der wachen Melancholie
Ich warf einem guten Freunde mehrmals scherzhaft eine zynische Weltsicht vor und äußerte, es sei besser bestimmte Ärgerlichkeiten des Lebens zwar zu kennen und zu durchschauen, aber bewusst zu ignorieren. Er stritt dies ab. Wenig später schrieb er in seinem Weblog über die Überlegenheit der Traurigkeit gegenüber der Tatkraft. Nur der Traurige sei überraschbar, der Tatkräftige wolle nur umsetzen, was er sich wünsche und scheitere an den Grenzen seiner Phantasie. Dies scheint mir nun zwar nicht zynisch, aber ein falscher Gegensatz zu sein. Warum sollte es keine wache, tatkräftige Melancholie geben, die für Überraschungen offen ist? Melancholie muss natürlich sein, pralle Heiterkeit ist niemals wach für die feinen Dinge.

[immer nur Lebenskunst]

 
 
04
August
Ahnungen
Woher weiß ich, dass die Haustüre offen ist? Trögen mich meine Ahnungen, rennte ich in Glastüren.

 
 
01
August
Bewunderung
Wer ist denn seltsamer? Der, der mit Hingabe Eidechsenpopulationen kartographiert, oder ich, der ich solche freakigen Hobbies leise bewundere, aber niemals zu ihnen fähig wäre?

 
 
23
Juli
Witz
Der größte Witz meines Lebens ist abgegeben! Die Begutachterin ahnt völlig zurecht, dass ich weder mein Thema, noch den Leser besonders ernst nehme und warnt mich. Ich werde allerdings weder als Leser noch als Autor gerne ernst genommen, wobei ich den Ernst bei ernsten Menschen durchaus schätze. Ich kann ihn nur nicht. Ich habe die Diss. nicht geschrieben, weil ich den Titel will, ich habe sie auch nicht geschrieben, weil ich meinte etwas herauszufinden oder der Welt etwas mitteilen zu sollen. Ich wollte mich amüsieren. Das hat leider nur in Teilen geklappt, ich bin nicht ganz so cool, wie ich gerne wäre. Aber die Zeiten, in denen ich mich amüsiert habe, waren grandios. Wo sonst hat man so viel Freiheit, ausreichend Geld und kann machen was man will? Das ist zwar nicht immer leicht, denn sehr oft weiß ich nicht, was ich will und surfe debil auf Preisvergleichsseiten herum. Aber die Tatsache, mit Freiheit nicht recht umgehen zu können, ist kein Grund vor der Freiheit zu fliehen. Und insgesamt gesehen konnte ich mit der Freiheit ja doch ganz gut umgehen: Ich habe geheiratet, ein Kind gezeugt, war oft im Urlaub und habe Freunde getroffen. Keine Nacht musste ich wegen Termindrucks panisch durcharbeiten (weil ich im ersten Jahr schon panisch genug war).
Nach der Diss. kann ich allerdings nicht weiter in der Philosophie bleiben. Jetzt noch dabeibleiben, hieße, die Philosophie ernstzunehmen. Da ist, wie gesagt, nichts Schlechtes dran. Sehr viele sehr gute Philosophen nehmen die Philosophie ernst. Aber ich kann nicht. Ich könnte noch etwas mitspielen, aber nach der Diss. würde ich von mir selber etwas mehr Ernst verlangen. Und alle anderen würden ihn auch zu Recht erwarten. Außerdem, und das ist natürlich der schlagende Grund, sind Frauen nicht mit professioneller Philosophie zu beeindrucken. Etwas Philosophie mögen Sie, aber niemand, der die Philosophie zu seinem Lebensinhalt macht. Die Frauen wollen doch selber Lebensinhalt sein! Und deshalb muss ich nach der Elternzeit irgendeinen anderen Quatsch machen.

[Iterationen der Poserei]

 
 
21
Juli
Wenn Aberglauben, dann der eigene
Vor schwarzen Katzen Angst zu haben ist dumm. Einen Marienkäfer auf dem Lenkrad als Gutes Zeichen für die Dissertation zu werten ist zwar auch dumm, hat aber wenigstens einen gewissen Charme. Besonders dann, wenn die Frau Coccinella ist.

 
 
16
Juli
Das Rumsitzen genießen können
Ich sitze ja hier nur rum. Niemand fragt, was ich tue. Natürlich bin ich immer beschäftigt, ich sitze ja vor meinem Computer. In Wahrheit träume ich, lese ich, surfe ich. Die Diss. und ein paar Artikel werden nebenher zusammengeschrieben: an einigen Tagen, vielleicht auch Wochen, gebe ich mir dann doch mal einen Ruck - zumindest nachmittags von drei bis sechs. Ansonsten lebe ich davon, dass man mich für klug und fleißig hält. Ich kann das Gegenteil so oft beteuern, wie ich will, es ändert nichts. Die Gewissensbisse sind mit der Zeit auch verschwunden und das Wetter ist selten so gut, dass ich mein Büro für ein Gefängnis halten müsste. Heute allerdings schon, deshalb gehe ich über Mittag an den See. Die Diss. gebe ich nächste Woche ab, das wird schon.
Genügend Geld ist auch da, die Seminare sind nicht voll und machen Freude. Höchste Zeit hier aufzuhören, sonst will man nicht mehr weg und irgendwann jammert man über die Massen an Arbeit, die man sich selber aufgehalst hat.

 
 
11
Juli
Die Müden
Am Tisch sind sie eher lahm und müssen unterhalten werden, womit ich mir gefalle, hoffentlich so, dass es nicht unangenehm auffällt. Man möchte ja gerne anecken bei denen, aber nicht damit, dass man eingebildet wirkt. Gut, dass ich filmen muss und daher oft verschwinden kann - dann ist es ein Leichtes die Runde wieder etwas aufzumischen, wenn man zurückkommt. Das geht zum Beispiel schon alleine dadurch, dass man Themen von vor 20 Minuten noch mal aufgreift. Keine Sachthemen, natürlich. Die darf muss zwar nicht gänzlich vermeiden - man will ja nicht direkt wie ein Freak wirken - aber man muss schnell von ihnen weg.
Tanzen ist erstaunlicherweise auch ein Ausweg, besonders wenn man es nicht kann. Da kann man nicht blasiert wirken, nur amüsant und vielleicht etwas draufgängerisch. Wenn Michael Jackson zu irgendwas gut ist, dann dazu. Er lädt zu Spasmen ein, man muss das nicht können, man muss nur zappeln. Können wäre sogar hinderlich, wie wirkt denn jemand, der Michael Jackson-Moves perfekt drauf hat? Nach Michael Jackson kann gerockt werden und dann trennen sich die harten von den Müden.
Im Zug zurück sitzen sie dann mit liebevoll geneigtem Kopf vor ihrem Notebook und lassen ihre Finger über die Tastatur tanzen, freihändig, ohne Handballenauflage. Die Müden handeln aus Liebe, sie brauchen keine Abstützung und auch keine Exzesse. Sie sind zufrieden mit dem, was sie tun. Für sie ist es auch in Ordnung, wenn eine Hochzeit um ein Uhr endet. Sie sind die Guten, ganz bestimmt. Aber was will ich mit denen?

 
 
06
Juli
Idol
Wenn man häufig darüber spricht, was Das RICHTIGE wäre und auch sonst mir Urteilen nicht spart, sich dabei notgedrungen im Lauf der Zeit widerspricht, muss man sich nicht wundern, wenn man plötzlich an allem Schuld ist.

[Nicht ich.]

 
 
02
Juli
Romantik
Immer bunter und luftiger werden die Kleider der Studentinnen, die hübsch und nicht überschminkt auf dem Campus flanieren oder in der Sonne sitzen. Auch wenn sie jetzt schon "die anderen" sind, weil viel zu jung und mit mir entgegengesetzter Blickrichtung im Seminar, ist es doch schön sie sehen zu dürfen. Arbeitet man irgendwann in einem grauen Büro, sind da vielleicht elegante Businessdamen oder dicke Sekretärinnen, aber diese Sommerjugend ist da bestimmt nicht mehr. Dennoch: Abschied muss sein. Mode und Buntheit kann kein Grund für die Berufs- und Lebenswahl sein. Obwohl, warum eigentlich nicht?

[Die Anderen, das sind die Grauen, die es nicht gibt.]

 
 
22
Juni
Normativität
Ich will so sein, dass sich die tollen Frauen in mich verlieben. Tolle Frauen verlieben sich nicht in Business-Typen, tolle Frauen wollen kein Geld von ihren Männern. Sie wollen in einer Mischung aus Höflichkeit und Dreistigkeit originell unterhalten werden.
Die üblichen Coolness-Standards der Männer bringen mir nichts. Was habe ich davon, wenn mich ein paar Jungs bewundern, weil ich bei McKinsey bin oder viel saufen kann? Bei den Damen habe ich natürlich auch nichts davon! Wer so denkt, hat die Kunst und den Sinn des Flirts nicht verstanden. Wenn ich so sein will, wie es den Frauen, in die ich mich verlieben würde, gefällt, darf dieses Sosein nicht zum Zweck werden, denn das würde ihnen nicht gefallen. Ihnen gefällt das Spiel, und Spiele haben keinen Zweck. Die Männer wollen lieber straight to the point, sie wollen Klarheit, auch nach Feierabend. Sie ignorieren, was nicht in ihre Welt passt.
Den Frauen, in die ich mich verlieben würde, gefällt gerade die Grenzüberschreitung. Deshalb habe ich bei den Jobvorträgen immer nach der Frauenquote gefragt, aber die scheint überall eher niedrig zu sein. Muss ich wohl doch was Soziales, was mit Kindern oder am besten, was mit Kunst und Kultur machen. Nichts mit Medien oder gar Kosmetik, da sind nur Schnepfen, die nicht mehr spielen können.

 
 
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Last update: 26. Feb, 13:20
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