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02
Mai
Leben
Nido ist eine neue Zeitschrift, wie für uns gemacht: Für Eltern, die nicht ausschließlich Eltern sein wollen. Der FAZ gefällt das natürlich nicht. Nicht ewig-jugendlich soll man sein, Verantwortung übernehmen! Und - noch mal natürlich - stimmt beides: Man will nicht langweilig werden, in dem Sinne, dass sich alles nur noch ums Kind dreht, aber logischerweise sind Kinder keine Luxus-Accessoires für hippe Großstädter. Glücklicherweise zeigen die meisten Kinder den meisten Eltern das sehr schnell. Und auch glücklicherweise leben wir nicht mehr in den fünfziger Jahren. Trotzdem kann der Kreativ- und Selbstverwirklichungs-Slang von Neon und Nido nerven, besonders, da er sich so modern gibt und dabei so konservativ-affirmativ ist. Ich werde das nicht lesen, es ist böse und falsch, aber vielleicht etwas raffinierter als "Eltern" aus dem gleichen Verlag. Und böse ist möglicherweise sogar besser für die Kinder, als allzu viel Kümmern, Angst und Gehätschel.
01
Mai
Frauen und Töchter
Immer wieder: Jede Frau ist eine Tochter und jede Tochter ist eine Frau. Trotzdem meint man mit "Tochter" etwas anderes als mit "Frau".
30
April
Anzug
Ich trage selten Anzüge und nie Schlipse. Gestern doch. Prompt werde ich morgens von einem Rastalockenträger angerempelt und von einem Fahrkartenkontrolleur "übersehen". Unglaublich. Das müsste doch eigentlich "unglaubbar" heißen. Dieses "lich" Suffix ist schon was seltsliches.
29
April
Dieb
Ich stehle in Discountmärkten. Ob ich das als Kind, wie angeblich jeder, einmal getan habe und dann nie wieder, weiß ich nicht. Jetzt tue ich es. Mit Kind. Nicht aus Armut oder Not, oder um den Nervenkitzel zu spüren, sondern aus Vergesslichkeit. So ein Kinderwagen hat diverse Ablagemöglichkeiten, die man neben der Kasse mal übersehen kann. Wenn ich am nächsten Tag versuche, eine gestohlene Flasche Wasser zu bezahlen, staunen die Kassiererinnen nicht schlecht - und das ist die Hauptfreude am Stehlen.
28
April
Richtigstellung
Was für ein Halbquatsch gestern. Natürlich habe ich hier keine Form! Hätte ich eine, würde zwar stimmen, was ich schrieb. Da man vom Willen zur Form hier aber wirklich nicht sprechen kann. Trotzdem kaum Thesen oder keine Themen hier. Vermutlich bin ich undemokratisch: Wenn eine hinreichende Anzahl kluger Meinungen geäußert ist, muss meine nicht auch noch dazu, wenn sie sich nicht großartig von dem vorhandenen Spektrum unterscheidet. Daher Persönliches. Das ist immer neu, das kann es so noch nirgends geben. Und jetzt hör' ich mit der Erklärerei auch endlich auf. Danke. [Meinung. Gut, wenn man eine hat. Eine Initiative deutscher Meinungsführer.]
27
April
Persönlich
Warum diskutiere ich in diesem Weblog keine größeren Thesen? Warum will ich bescheiden sein? Maximal nett, intelligent und lustig. Warum nicht mehr? Warum nicht einflussreich, meistgelesen, cool und bekannt? Vermutlich würde ich es akzeptieren und mich sogar freuen, wenn es einfach passieren würde. Sowas passiert aber nicht einfach, da müsste man strategisch ran. Und das mag ich hier, in meinem/unseren kleinen, privaten Blog nicht tun. Hier will ich unangestrengt schreiben, was mir einfällt. Wenn es jemand gefällt, schön. Wenn nicht, auch in Ordnung. Dieses Weblog soll sich selbst genügen und nichts wollen. Ich finde das erstrebenswert. Deshalb habe ich auch hier kein Thema, maximal eine Form. Wer Themen hat, muss etwas wollen. Die Form kann für sich selbst stehen und man kann ihr keinen Vorwurf machen. Sie ist einfach da. Wenn ich mündlich schon gerne und laut in die Gegend blöke, muss ich das hier nicht auch noch tun.
26
April
Styler-Deppen
Noch einmal zu den Berlinern, über die alle immer so gerne lästern: Es stimmt schon: Sie sind da, sie wollen alle Künstler sein und fast keiner ist es. Aber: Es sind immer noch mehr, als in jeder anderen deutschen Stadt. Alle zehn Jahre ist bestimmt auch ein guter dabei. Mehr geht vermutlich gar nicht. Da muss man die Deppen, die sich dranhängen in Kauf nehmen. Die Deppen sind überall in der Mehrheit und trotzdem funktionieren Cluster anscheinend. Alles Illusion.
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