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01
April
Midwit
Talentierte Schreiber lamentieren über AI (Erik Hoel, Adam Mastroianni), sie habe keine Seele, könne nicht interessant schreiben. Ich liebe diese Kritik, sie macht Hoffnung für das Menschliche und sie ist rhetorisch brilliant geschrieben. Sie ist Kritik auf allerhöchstem Niveau. Doch genau dabei übersieht sie, dass AI vermutlich interessanter schreiben kann und mehr (Welt)seele in Texte legen kann als 99% aller menschlichen Schreiber. Fast alle sind wir midwits, nur ganz wenige supertalentierte können sich über AI erheben. Optimistisch gewendet: Das Niveau von Texten aus menschlicher Produktion könnte steigen, Mittelmäßigkeiten braucht niemand mehr. Doch das macht den meisten Angst. Ähnlich wie Karriere- oder Lebensratgeber - immer wird dort gezeigt, wie man das höchste, beste oder auch nur entspannteste Leben führt. So ein mittleres Chaos ohne Ambition kommt da nicht vor, das will auch niemand lesen. Die meisten würde aber gerne so sein und bekommen Angst, dass die Umstände sie nicht lassen werden.
Das Problem ist wahrscheinlich, dass es in der Lebensplanung wie in der Literatur kein kein einheitlich anerkanntes höchstes Niveau gibt: Was für den einen das Höchste ist, ist, ist für den anderen nur so mittelprächtig und umgekehrt.
Mir scheint die Gefahr von KI bei Texten zu sein, dass sie immer nur den größten gemeinsamen Nenner finden kann, und das ist etwas, was niemanden glücklich macht - man kennt das von den Radiosendern, die die Erwartungen der Hörer über Umfragen statistisch ermitteln: Heraus kommt dann ein Musikmix, den alle problemlos irgendwie ertragen können, den aber niemand braucht und niemand liebt. So wird es oft gesagt, aber ich argumentiere hier ja für das Gegenteil: Die meisten Menschen wollen die Mittelmäßigkeit! Kritik daran kommt nur von ganz oben.
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