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04
Oktober
Dröhn
Selbstbewusstes Gedröhne, Deadlines, Zahlen - alles was hart klingt, aber doch nichts aussagt - gegenüber der perfekt ausgeführten, spielerischen Bescheidenheit mit doppelt und dreifachem Boden. Bescheidenheit auf der Bühne - wo nicht zu langweilen erste Pflicht ist? Jawohl!

 
 
03
Oktober
Heimatspruch
Falsche Alltagsweisheiten: Home is, where the heart is. Richtiger wäre wohl: Home is, where Mom was. Das Herz ist ja immer überall.

 
 
02
Oktober
Plätschernd
Die sanfte, melancholisch plätschernde Verheißung der Ruhe, welche ausgedehnte Artikel über belanglose Nebenthemen auf der dritten Seite versprühen.

[Lokalteilpoesie: Verheißung versprühen]

 
 
01
Oktober
Zwick zu

Bevor man aufs Dixiklo geht, zwickt man lieber die Beine zusammen.


 
 
30
September
Natürlich
Das Natürlichkeitsargument ist nicht totzukriegen. Künstliche Brüste sind unnatürlich, raunen die Massen. Ich sage euch, was unnatürlich ist: Haare abschneiden, Deo verwenden, Synthetikklamotten tragen und aus dem Mund nach künstlichem Minzaroma riechen. Jaja, das wissen wir. Es gibt auch ein Buch dazu, mit folgenden "Pluspunkten": "Autor bekanntester Philosoph für das Thema, Thematik hoch aktuell, hervorragend und einführend geschrieben."

 
 
28
September
Nabend
Ich lade Kollegen auf einen "netten Abend" in meiner Wohnung ein, weil ich cool sein will, schreibe ich einer Freundin, sie kämen zum Saufen, was dann, kaum abgeschickt, sehr pubertär wirkt. Wegen des anstehenden Gelages, sei es möglich, dass ich beim mit ihr verabredeten Treffen am nächsten Tag nicht ganz auf der Höhe wäre. Ihre Antwort "Hach Saufen. Wir machen das." beeindruckt mich bis heute. Dieses lässige Draufgängertum, dieses fehlende Ausrufezeichen. Diese Coolness. Bei Müttern sehr selten!

[die Hölle der verschickten Mails]

 
 
27
September
Tropfen
Regennasse Menschen drücken sich in die Tram, meiden Körper und Blickkontakt. Die Stimmung hat etwas magisch Nostalgisches. Gedränge und Regen, diesen Alltagsärger kennen die Metropolenmenschen seit langer Zeit und dieser Ärger wird auch nicht vergehen - das macht ihn so genussvoll. Lehmann auf den Ohren lasse ich den Blick schweifen und bleibe in mitten der schwarz-triefenden Regenmäntelfiguren an einem iberischen Nacken in gelben T-Shirt hängen. Die Frau lernt Deutsch, in ihrem Lehrbuch stehen Sätze wie "Im Ruhrgebiet ist immer Stau".
Die Melancholie der Jugend, die Pragmatik des Alters. Der Einsatz von
Musik zur Stimmungssteuerung. Wer nichts ernst nimmst, ist es meistens - so meine steile These des Tages. Das gilt, wie so viele steile Thesen, zumindest für mich. Es handelt sich um einen Ernst ohne Verzweiflung - was sich gut anfühlt. Verzweiflung ist, wenn überhaupt, nur von außen schick.

 
 
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Last update: 27. Mai, 18:24
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