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... neuere Stories
12
Oktober
Bon
In der künstlich abgerundeten Stimme der frühen Lieder von Beyoncé kann man die Nachwirkungen der Bonbon-Neunziger förmlich hören. Die Welt ist rauer geworden, seitdem.
09
Oktober
Erwartungsmanagement
Die Elbphilharmonie in Hamburg ist beeindruckend. So einem Gebäude verzeiht man leicht die verzögerte Eröffnung, insbesondere wo sie so charmant inszeniert wurde. Beim Berliner Flughafen wird das Verzeihen schwieriger, das wird einfach nur ein Flughafen.
Ein Problem hat die Elphi aber doch: Wenn man in Hamburg ist, will man sie angucken, geht dann rein in die Plaza und ist enttäuscht:Die Wände sind ja ganz normale weiße Wände! Und die Lampen sind simple Glaskugeln! Da wäre doch mehr gegangen, da wird innen nicht gehalten, was außen versprochen wird. Vermutlich ist das aber auch wieder klüger gemacht als ich: Die wahre Attraktion ist der Saal, vorher will man etwas tiefstapeln. Und in den Saal läßt man die Schaulustigen nicht einfach so rein.
30
August
Schöne Künste
Vor allen Hobbies beneide ich die Musik, als Ode an die Schönheit an sich, in ihrer abstraktesten Form, am meisten. Jede, die sich Zeit für Musik nimmt, huldigt der Schönheit - und ich huldige damit ihr. Und mit ihr meine ich jetzt ihn, den Künstler. Gendern kann schön sein, wenn man einfach wild die Geschlechter durcheinander würfelt. Das stört niemals den Fluss, verwundert aber gelegentlich doch, aber zu Recht.
11
Juni
Routine, Expertise, Inspiration
Gestern beim Reel Big Fish Konzert gewesen. War jut jewesen, lustige Musik mit Hörnern, das kann nicht ganz schiefgehen. Würde die Welt nur aus Leuten wie denen im Publikum bestehen, wäre sie bestimmt ein fröhlicher, friedlicherer, aber auch weniger ehrgeiziger Ort. Doch an die Strahlkraft ihrer Idee glauben die gealterten Indie-Fans nicht mehr, bei aller Muskelkraft, die sie noch ins Springen stecken.
Der Sänger Aaron Barrett tut sehr gut, was er tut. Nur leider wirken seine Augen müde und es reicht nicht zu mehr, als einem Abspulen einiger Songs, zum Glück wenig vom neuen Album, das wohl niemanden mehr ernsthaft interessiert - aber man macht halt weiter. Was kann man von Konzerten erwarten? Von Bands, die seit knapp dreißig Jahren ungefähr das Gleiche spielen? Vielleicht doch: Ein wenig Inspiration? Irgendetwas, was den käuflichen Aufnahmen hinzugefügt wird? Wenigstens ein paar persönliche Ansagen? Wenn das fehlt, macht das Konzert nicht viel mehr Spaß, als die Musik auf dem Rad zu hören. Wenn sich zu viel Routine einschleicht, was fast niemand im Show-Business verhindern kann, gibt es auch noch die Möglichkeit der ganz großen Show. So macht es Deichkind, das funktioniert über den kalkulierten Irrsinn. Aber Aaron Barrett hat diese Optionen nicht und kann daher nicht über sich hinauswachsen. Möge er noch lange weitermusizieren.
28
Mai
Wilde Maus
Ein schöner Film, leider kein guter Film. Hat "einige schöne Momente", das ist ungefähr so ein Lob wie über eine Stadt zu sagen, sie habe "schöne Ecken". Leider scheitert der Film bei den Figuren und Dialogen. Feinsinniges Milieu zwar und keine plumpen Schablonen wie im deutschen Serienelend, aber Figuren, die bloße Behauptungen sind und deren Ausbrüche zwar in der Logik des Films nachvollziehbar sind, emotional aber nicht funktionieren. So kann auch der Humor nicht zünden, daher ist "Wilde Maus" ein sehr trauriger Film und dabei leider keine Milieustudie.
11
Mai
Echt
Schreiben und Schauspielen ohne Klischees und plumpe Überspitzungen des Üblichen - das reicht ja schon fast. Daran scheitern fast alle, leider auch im Leben. Es ist vielleicht ein Grund, warum Filme und Bücher aus dem Ausland leichter funktionieren - man hat weniger feine Detektoren für Klischees. E
23
April
Falsch
Ich höre mich weiterhin durch Proust, das ist auch weiterhin ganz entspannend, mehr aber leider nicht, für mich. Ich muss immer öfter denken, dass ich alles an Proust falsch finde: Die geschilderten Leben, die taktischen Gedanken der Wirkung, aber auch die Konstruktion eines Buches, das aus Unmengen an Parlando besteht. Selbst die Kunst- und Musikkritischen Abschnitte, denen ich noch am meisten abgewinnen kann, sind inhaltlich für mich meist nicht nachvollziehbar, also falsch.
20
April
Krass und krank
Bei allen Werken ab einer gewissen Heftigkeitsstufe tönt meist sehr schnell die kritisch gemeinte Frage, wie krank der jeweiliger Schöpfer sein müsse, sich so etwas auszudenken. Nicht gesehen wird, dass niemand zum Ausdenken heftiger Sachverhalte krank sein muss, sondern nur zu deren tatsächlicher Durchführung. Vermutlich ist mit krank aber ein verstecktes Lob gemeint, "toll" war ja auch mal negativ konnotiert - doch jetzt gilt Abweichung von der Norm als wünschenswert.
19
März
Die bessere Geschichte
Die klarste Leseempfehlung seit Langem: Anselm Neft, "Die bessere Geschichte". Klug, kraftvoll, feinfühlig, spannend, sprachgewaltig (aber das wohldosiert), vor allem aber unterhaltsamer als jeder Superheldenfilm.
Hier ein Amazon-Link.
11
Februar
Takis Würger
Vorweg: Etwas zu machen, ist zwar nicht immer schwieriger, aber doch mutiger, als etwas zu kritisieren oder sich über etwas lustig zu machen.
Ein paar Dinge wundern mich an der aktuellen Diskussion: Warum treten die Befürworter der Kunstfreiheit nicht selbstbewusster auf? Sind nicht diejenigen Gaga, die fiktionalisierte Romane als Tatsachenbehauptungen lesen und Gebrauchsanweisungen zur Interpretation von Zitaten verlangen? Die nicht wollen, dass man "Nazi-Schnurren" schreibt? Man kann das natürlich als misslungen kritisieren, aber ein Skandal ist das doch hoffentlich nicht. Grundsätzlich sind mir Bücher lieber, die eine innere Notwendigkeit haben im Unterschied zu pathetischen Pflichtübungen über die großen moralischen Themen. Aber diese Themenpräferenz ist ähnlich wie die Frage, ob verknappte Beschreibungen gepaart mit metaphernreicher Sprache nun gut oder schlecht sind, eine ästhetische, die man interessant diskustieren kann, die aber niemals zum Skandal taugen sollte. [Wer das liest ist doof.]
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